Wahlwerbespots von NPD und FDP Liberal, rechtsextrem und ziemlich im Quark

Drei TV-Spots, ein Motiv: Eine glückliche Familie radelt durch Werbefilme von NPD, FDP und einer finnischen Agentur, die fiktiven Speisequark anbietet. Nach Spott im Netz wollen die Liberalen die Szenen nun austauschen - und die Rechten sehen sich plötzlich in peinliche Widersprüche verwickelt.

Von Michael König, Berlin

Peinlich: Nehmen wir an, eine Werbeagentur will Menschen zeigen, die peinlich berührt sind. Dann kann sie ein Kamerateam beauftragen und Models, die vor der Linse posieren. Das ist relativ teuer. Oder sie kauft Stock-Material ein. Stock steht im Englischen für Vorrat oder Bestand. Es gibt Agenturen, die für jede Gefühlsregung Bilder und Videos parat halten und diese verkaufen. Zum Beispiel: Bilder peinlich berührter Menschen.

Solche Menschen könnte es momentan auch in den Wahlkampf-Zentralen von FDP und NPD geben. Die Liberalen und die Rechtsextremen zeigen in ihren Wahlwerbespots zur Bundestagswahl 2013 ein und dieselbe Familie, die glücklich durch eine sommerliche Allee radelt.

"Nur mit uns gibt es vier weitere gute Jahre", heißt es bei der FDP, hier ab Minute 1:20:

"Wir müssen in die Zukunft investieren: In intakte Familien und glückliche Kinder", heißt es bei der NPD, ab Minute 1:08:

Zu allem Überfluss hat auch eine finnische Medienagentur die Szene genutzt, um einen fiktiven Speisequark anzupreisen. Weshalb Sebastian Brux, Büroleiter des Grünen-Geschäftsführers im Bundestag, Volker Beck, bei Twitter dichtete: "Was haben FDP, NPD und Quark gemeinsam? Das Familienbild."

Entdeckt hat die Gemeinsamkeit einer der Geschäftsführer der Werbeagentur "Die Wegmeister" in Stuttgart, Markus Brendel. Beim nächtlichen Studium von Werbespots fiel ihm die Szene auf. Das entsprechende Facebook-Posting sammelt seither reichlich Klicks, Ko-Geschäftsführer Oliver Woye hat eine passende Website veröffentlicht: http://fdp-npd-quark.de

"Wir raten unseren Kunden immer, nicht mit Stock-Material zu arbeiten, sie wollen schließlich unverwechselbar sein", sagt Woye zu SZ.de. Solche Überschneidungen kämen immer wieder vor und seien nicht selten: "super peinlich".

Urheber des Videos ist offenbar "SimonKr", eine Firma aus Slowenien. Das ist besonders peinlich für die NPD, die in ihrem Spot gegen "Überfremdung" wettert und "Arbeit nur für Deutsche" fordert. Ähnlich widersprüchlich war die NPD schon in der Vergangenheit verfahren, etwa als sie 2005 eine Parteizeitung in Polen drucken ließ. Auf Anfrage von SZ.de teilt ihr Pressesprecher lediglich mit: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zur Produktion unserer Werbemittel keine näheren Angaben machen können."

Die FDP ist auskunftsfreudiger. "Ein dummer Zufall", sagt ihr Sprecher. "Niemand kann wissen, was andere Nutzer von frei zugänglichem Material verwenden. Vergleiche mit den Spots anderer Parteien waren nicht möglich, da diese alle zur etwa gleichen Zeit veröffentlicht wurden."

Die entsprechende Szene soll noch vor der Erstaustrahlung des FDP-Spots am 28. August im ZDF durch eine andere ersetzt werden. Vorausgesetzt, die zuständige Agentur kommt rechtzeitig aus dem Quark.

Mitarbeit: Antonie Rietzschel