Wahlen in Syrien Die große Assad-Show

"Unsere Seele, unser Blut opfern wir für dich, Baschar": Anhänger des syrischen Machthabers al-Assad.

(Foto: AFP)

Unbekannte Zählkandidaten, keine Urnen im Rebellengebiet: Die Präsidentenwahl in Syrien am kommenden Dienstag ist eine blutige Farce - und kommt drei Jahre zu spät. Amtsinhaber Baschar al-Assad sieht das naturgemäß anders.

Von Sonja Zekri, Kairo

Man stelle sich vor, diese Wahlen wären drei Jahre früher abgehalten worden. Präsidentschaftswahlen. In Syrien. Mit mehr als einem Kandidaten. Fünf Jahrzehnte hat es das nicht gegeben, dabei war der Mangel an politischer Mitsprache ein Grund dafür, dass die Menschen vor drei Jahren auf die Straßen gingen. Anfangs friedlich, dann eskalierte der Konflikt zu einem Bürgerkrieg, der mehr als 160 000 Menschen das Leben gekostet hat und die möglicherweise größten Flüchtlingsströme seit dem Zweiten Weltkrieg in Gang gesetzt hat.

Jene Wahlen, mit denen der Amtsinhaber Baschar al-Assad vor drei Jahren noch sensationell hätte deeskalieren können, sind heute eine blutige Farce.

Ja, es gibt Gegenkandidaten für die Abstimmung am Dienstag. Maher al-Hadschar, ein Parlamentsabgeordneter aus Aleppo, und der Geschäftsmann Hassan al-Nuri treten gegen Assad an. Hadschars Heimatstadt liegt in Trümmern, in der Provinz Aleppo starben allein seit Januar fast 2000 Menschen. Nuri, der in Amerika und der Schweiz studierte und zweimal Minister unter Baschars Vater Hafis al-Assad war, hat die Wahl bereits als "historisch" beschrieben: "Diese Wahl wird Syriens Schicksal entscheiden", sagte er der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, dann lobte er den Assad-Clan.

Verwirrende Zahlen und ein wenig Hoffnung

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"Diese Regierung hat das Land 44 Jahre regiert und Syrien zu einer Führungsmacht in der Region gemacht." In der Frage der Terrorismusbekämpfung - für Assad waren alle Aufständischen von Anfang an Terroristen - sei er ganz der Meinung des Regimes. Nur fehle es der Regierung, er gibt es zu, an einer Vision, vor allem in Wirtschaftsfragen. Die aber wolle er, Hassan al-Nuri, angehen: Mehr Freiheiten, weniger Korruption, mehr Mittelklasse.

Drei Viertel der Syrer leben in Armut, viele hungern, ja der Hunger ist geradezu eine Waffe des Regimes geworden. Da klingen alle Versprechen auf wirtschaftlichen Aufschwung hohl, zumal von unbekannten Zählkandidaten wie Nuri. Der Blogger Karl Sharro alias @KarlreMarks, ein immerböser Kommentator nahöstlicher Absurditäten, vermerkte denn auch die unnötige Veränderung eines eingeführten Rituals: "Kenner syrischer Präsidentschaftswahlen geben zu bedenken, dass die Zulassung weiterer Kandidaten den traditionellen Minimalismus des Formats ruiniert."

Baschar al-Assad sieht dies naturgemäß anders. Wahlspots zeigen dankbare Flüchtlinge bei der Rückkehr nach Baba Amr, einem Stadtteil von Homs. Assad hatte Homs in den letzten Wochen zurückgewonnen, für das Regime ein weiterer Hinweis darauf, dass ein Sieg nur eine Frage der Zeit ist.