Wahl in Niedersachsen Mehr Leihstimmen hätten Schwarz-Gelb gerettet

Prantls Politik zur Niedersachsen-Wahl Das Machtgewicht ist völlig verändert

(Video: Süddeutsche.de, Foto: dpa, Foto: dpa)

Bloß keine Hilfe mehr für die FDP, tönt es aus der CDU. Schließlich seien die vielen Leihstimmen der Unionswähler für die Liberalen Schuld an der Pleite in Niedersachsen. Experten widersprechen: Nicht weniger, sondern mehr Leihstimmen hätten Schwarz-Gelb genutzt.

Von Robert Roßmann, Berlin

Seit der Landtagswahl in Niedersachsen ist das Klima zwischen Union und FDP wieder rauer geworden. Mit ihrer Leihstimmen-Kampagne haben die Liberalen der CDU nach dem Geschmack vieler Christdemokraten zu viele Stimmen abgenommen.

CDU-Vize Volker Bouffier sagt, im Bundestagswahlkampf werde es jetzt einen Alleingang seiner Partei geben, jeder kämpfe für sich. CSU-Chef Horst Seehofer findet gar: "Wir haben wieder einmal erlebt, dass Leihstimmen innerhalb des bürgerlichen Lagers verlorene Stimmen sind." Die Liberalen sollten deshalb neue Wähler gewinnen und nicht um Unionsanhänger werben.

Und auch CDU-Chefin Angela Merkel geht auf Distanz. Im Bundestagswahlkampf werde jeder "für seine Stimmen" kämpfen, sagt die Kanzlerin. Schließlich sei eine Lehre aus den Zugewinnen der Liberalen bei der Niedersachsen-Wahl, dass keine so "große Angst herrschen muss, dass die FDP von der Bildfläche verschwindet".

Kurz gesagt: Die CDU glaubt, sie wäre in Niedersachsen ohne die Leihstimmen für die FDP erfolgreicher gewesen. Ein genauer Blick auf das Ergebnis zeigt nun aber, dass wegen absurder Auswirkungen des Wahlrechts genau das Gegenteil richtig ist: Hätten noch mehr CDU-Anhänger mit der Zweitstimme FDP statt CDU gewählt, wäre David McAllister wohl Ministerpräsident geblieben.

Eine Aufstellung der Experten von wahlrecht.de zeigt, dass es je nach Anzahl der zusätzlichen Leihstimmen im niedersächsischen Landtag auch zu einem Patt oder sogar zu einem Vorsprung für Schwarz-Gelb hätte kommen können. Hätten zum Beispiel 2000 weitere CDU-Wähler ihre Stimme der FDP gegeben, wäre ein Sitz von der SPD zu den Liberalen gekippt - und Schwarz-Gelb hätte im Landtag 69 Sitze, Rot-Grün aber nur 68. Bei 20.000 zusätzlichen Leihstimmen läge das Verhältnis bei 70 zu 69 zugunsten von Schwarz-Gelb.

Weniger Leihstimmen der CDU für die FDP hätten McAllister dagegen nicht geholfen. SPD und Grüne hätten hier in jeder rechnerisch möglichen Variante eine Mehrheit im Landtag gehabt.