Waffenruhe im Nahostkonflikt Palästinenser in Gaza feiern Einigung als "Sieg"

Freudenschüsse und "Lang lebe Hamas"-Parolen: Im Gazastreifen feiern tausende Menschen die dauerhafte Waffenruhe mit Israel. Die Führungsriege der Hamas interpretiert die Einigung als Triumph für die eigene Organisation. In den ersten Stunden bewährt sich die Vereinbarung, es gibt keinen erneuten Beschuss.

  • Die neu vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern hält. In der Nacht gab es keinen Raketenbeschuss, berichten israelische Medien.
  • Am Abend feierten tausende Menschen in Gaza die Einigung. Die Führungsriege von Hamas interpretierte die Waffenruhe als Sieg für die eigene Organisation.
  • Die USA und die Vereinten Nationen begrüßen den Durchbruch im Nahostkonflikt, mahnen aber beide Seiten, sich an die Vereinbarungen zu halten.

Waffenruhe hält in den ersten Stunden

Die ersten Stunden der neuen, dauerhaften Waffenruhe in Nahost sind offenbar ruhig verlaufen. Wie die Zeitung Times of Israel am frühen Morgen berichtet, sind seit Beginn der Feuerpause um 19 Uhr keine Granaten oder Raketen in Israel eingeschlagen.

Israel und die militanten Palästinensergruppen hatten sich am Dienstag erstmals seit dem Ausbruch des jüngsten Gaza-Kriegs auf eine dauerhafte Waffenruhe geeinigt.

Palästinenser feiern das Ende der Gewalt

Ungeachtet der dramatischen Zerstörungen feierten die Menschen in Gaza die Waffenruhe am Dienstagabend als einen großen Triumph. Militante Palästinenser feuerten immer wieder Freudenschüsse in die Luft. Aus Moscheen wurde über Lautsprecher der Sieg der radikal-islamischen Hamas und des palästinensischen Widerstands verkündet. "Gott ist groß, lang lebe Hamas, lang lebe das palästinensische Volk", lauteten die Botschaften.

Ranghohe Vertreter der im Gazastreifen herrschenden Hamas und der Gruppierung Islamischer Dschihad haben sich erstmals seit Beginn des Konflikts öffentlich gezeigt. Anführer beider Organisationen hielten Siegesreden vor tausenden Anhängern.

Mahmud al-Sahar vom politischen Arm der Hamas kündigte den Bau eines eigenen Hafens sowie eines Flughafens für das Küstengebiet an und drohte für den Fall von Attacken auf den Flughafen mit Gegenangriffen.

Kurz zuvor hatte die radikalislamische Hamas die Waffenruhe bereits als eigenen "Sieg" interpretiert. "Wir haben geschafft, was all die arabischen Armeen nicht geschafft haben", sagte ein Sprecher der Palästinenserorganisation. Damit bezog er sich auf frühere Niederlagen arabischer Staaten im Kampf gegen die israelische Armee.

USA und UN begrüßen die Einigung

Die USA äußerten nach den wochenlangen blutigen Kämpfen im Gaza-Krieg die Hoffnung auf eine "langlebige und nachhaltige" Übereinkunft zwischen Israelis und Palästinensern. Alle Beteiligten seien aufgerufen, sich nun an die Vereinbarung zu halten, sagte Außenminister John Kerry. "Uns allen ist klar, dass dies eine Gelegenheit ist, keine Gewissheit."

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Einigung. "Eine bessere Zukunft für Gaza und für Israel bedingt eine verlässliche Waffenruhe. Es liegt nun an beiden Seiten, dieser Verantwortung gerecht zu werden", erklärte Ban in New York.

Weitreichende Zugeständnisse an Palästinenser geplant

Die neue, von Ägypten vermittelte Initiative sieht nach palästinensischen Angaben weitreichende Vorschläge vor. Demzufolge sollen die blockierten Übergange vom Gazastreifen nach Israel und Ägypten sofort geöffnet werden. Zudem sollen die Fischfanggebiete der Palästinenser im Mittelmeer ausgeweitet werden.

In einem Monat sollen die Konfliktparteien dann Gespräche über den Bau eines Seehafens für den wirtschaftlich am Boden liegenden Gazastreifen aufnehmen sowie über eine Freilassung von gefangenen Hamas-Mitgliedern im besetzten Westjordanland durch Israel, wie Palästinenservertreter erläuterten. Israel und Ägypten betrachten die Hamas als Sicherheitsbedrohung und fordern Garantien dafür, dass keine Waffen in den Gazastreifen kommen.

50 Tage blutiger Konflikt

Vor Beginn der Feuerpause genau 50 Tage nach dem Ausbruch des jüngsten Gaza-Kriegs hatten die Konfliktparteien ihren gegenseitigen Beschuss noch einmal intensiviert. Insgesamt kamen am Dienstag bei israelischen Luftangriffen neun Palästinenser ums Leben. Militante Palästinenser schossen zahlreiche Raketen auf Israel ab. Dabei starben nach Medienberichten in einem Grenzort zum Gazastreifen zwei Israelis.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 8. Juli sind nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 2130 Palästinenser getötet und mehr als 11 100 verletzt worden. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und 6 Zivilisten.