Volksabstimmung zu Stuttgart 21 S21-Gegner scheitern - die Pro-Fraktion triumphiert

Der Tiefbahnhof kommt, das Volk will es so: Eine Mehrheit von knapp 59 Prozent spricht sich bei der Volksabstimmung in Baden-Württemberg für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 aus. Während die Befürworter feiern, spricht der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann von einem "guten Tag für die Demokratie". Er will das Projekt nun "kritisch-konstruktiv" begleiten. Nicht jeder Bahnhofsgegner zeigt so viel Einsicht.

Von Roman Deininger und Michael König, Stuttgart

Man hat Tanja Gönner nicht viel lachen sehen seit dem 27. März, seit der Abwahl der schwarz-gelben Landesregierung Baden-Württembergs, der sie als Verkehrsministerin angehörte. Aber jetzt, am Sonntagabend um halb acht im Foyer des Stuttgarter Landtags, ist ihr Lachen zurück. Wobei Lachen für das, was sich gerade im Gesicht der CDU-Politikerin abspielt, eigentlich keine angemessene Beschreibung ist.

Auf der Leinwand vor ihr werden die Ergebnisse der Volksabstimmung über Stuttgart 21 angezeigt. Es geht um den Tiefbahnhofsbau zu Stuttgart, für den sie jahrelang gekämpft hat. Diesmal soll eine Entscheidung her. Endlich. Nach und nach blinken die Meldungen aus den einzelnen Wahlkreisen auf, Baden-Baden, Biberach, Hohenlohe-Kreis. Langsam verfestigt sich ein Trend: Die Baden-Württemberger sagen nein zum Ausstieg aus dem Projekt, und damit ja zu Stuttgart 21. Am Ende werden 58,8 Prozent für den neuen Bahnhof gestimmt haben und 41,2 Prozent dagegen.

"Es hat sich bestätigt, was wir immer gesagt haben", sagt Gönner. "Es gibt eine schweigende Mehrheit für dieses Projekt, und heute hat sich diese Mehrheit mit Deutlichkeit zu Wort gemeldet." Für die alte Landesregierung von Ministerpräsident Stefan Mappus sei das natürlich eine erfreuliche Nachricht. Sie müsste das eigentlich nicht extra sagen, aber Gönner sagt es trotzdem: "Das tut uns gut."

Das Miene von Winfried Kretschmann ist weniger euphorisch, als er sich gegen 20:15 Uhr den Fernsehkameras stellt. Was lange ein Treppenwitz bei den Konservativen war, wird nun Realität: Ein grüner Ministerpräsident muss den Bau des bei der Öko-Partei verhassten Tiefbahnhofs unterstützten. Kretschmann hat dagegen gekämpft und verloren, aber er spricht von einem Sieg - für die Demokratie. "Wir haben zum ersten Mal erreicht, dass das Volk über ein Gesetz abstimmen konnte, und das hat es mit großer Beteiligung getan", sagt Kretschmann. "Das war ein sehr guter Tag für die Demokratie."

Kretschmann gibt ganz den Diener des Souveräns: "Wenn das Volk entscheidet, hat es das letzte Wort." Die Regierung werde das Projekt jetzt "kritisch-konstruktiv begleiten". Und unter dem Jubel vieler Befürworter spricht er eine Art Schlusswort, das manch einem Grünen in den Ohren klingeln dürfte: "Die Bahn hat Baurecht, wir müssen gewährleisten, dass sie bauen kann."