Völkermord an Armeniern im Ersten Weltkrieg Türkei wirft EU-Parlament "Fanatismus" vor

  • Die türkische Regierung hat den Abgeordneten des EU-Parlaments "religiösen und kulturellen Fanatismus" vorgeworfen. Die Parlamentarier hatten Ankara per Resolution zur Anerkennung des Genozids an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs aufgefordert.
  • "Wir nehmen diejenigen, die diese Resolution angenommen haben, indem sie Geschichte und Recht verstümmelten, nicht ernst", teilte das Außenministerium in Ankara mit.
  • Zuvor hatte der türkische Präsident Erdoğan bereits Papst Franziskus scharf kritisiert, weil dieser von einem Völkermord gesprochen hatte.

"Sie verstümmeln Geschichte und Recht"

Die Türkei wehrt sich weiter vehement dagegen, die Verbrechen an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs als Völkermord zu bezeichnen. Die türkische Regierung warf den Abgeordneten des Europaparlaments "religiösen und kulturellen Fanatismus" vor, weil diese Ankara per Resolution zur Anerkennung des Genozids aufgefordert hatten. Vor wenigen Tagen hatte der türkische Präsident Erdoğan bereits Papst Franziskus angegriffen, weil dieser von einem Völkermord an den Armeniern gesprochen hatte.

Durch ihre Resolution hätten die EU-Parlamentarier "ein weiteres Mal angestrebt, die Geschichte bezüglich der Ereignisse von 1915 umzuschreiben", kritisierte das Außenministerium in Ankara. Das Ministerium riet den Parlamentariern, sich mit der Verantwortung ihrer eigenen Länder für die Gräueltaten während des Ersten und Zweiten Weltkrieg auseinanderzusetzen. "Wir nehmen diejenigen, die diese Resolution angenommen haben, indem sie Geschichte und Recht verstümmelten, nicht ernst."

Das Europaparlament behindere die Beziehungen zur Türkei

Das EU-Parlament, hieß es in der Mitteilung weiter, sei bekannt dafür, die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU behindern zu wollen. Zudem stellte das Ministerium die Legitimation des Gremiums in Frage. "Die Wahlbeteiligung der EU-Bürger von 42 Prozent bei den Wahlen 2014 deutet bereits den Platz an, den dieses Parlament in der politischen Kultur der EU einnimmt."

Vertrieben, verhungert, verdurstet

Vor hundert Jahren wurden im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier ermordet. Die Türkei weigert sich bis heute, von einem Genozid zu sprechen. Auch Deutsche haben sich damals schuldig gemacht. Von Christiane Schlötzer mehr ...

Das Europäische Parlament hatte die Türkei am Mittwochabend erneut aufgefordert, die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren als Völkermord anzuerkennen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte das am Mittwoch kategorisch ausgeschlossen und die Meinung des Parlaments bereits im Vorfeld als irrelevant abgetan.