Vernichtungskrieg in deutscher Kolonie Berlin nennt Herero-Massaker erstmals "Völkermord"

Vor dem Abmarsch in den Kampf gegen die aufständischen Hereros in Deutsch-Südwestafrika wird die 2. Marine-Feldkompanie eingesegnet. (Archivfoto von 1904). In der Schlacht am Waterberg und während der darauf folgenden Vertreibung in die Omaheke-Wüste waren 1904 rund zwei Drittel des Herero-Volkes gestorben.

(Foto: dpa)
  • Das Auswärtige Amt nennt die vor mehr als 100 Jahren während des "Herero-Aufstandes" verübten Massaker erstmals "Völkermord". Bislang mied Berlin den Terminus.
  • In der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, waren Zehntausende Angehörige der Stämme Herero und Nama von kaiserlichen Soldaten getötet worden.
  • Die Bundesregierung und Namibia bereiten eine gemeinsame Stellungnahme vor.

In Berlin kommt es zur Wende in einem besonders heiklen Kapitel der Kolonialgeschichte. Es geht um die Massaker im heutigen Namibia, die von deutschen Soldaten verübt wurden - während des sogenannten "Herero-Aufstandes". Die Bundesregierung will die Tötungen künftig als Genozid bezeichnen.

Dazu soll es nach Angaben des Auswärtigen Amts vom Freitag auch eine gemeinsame Erklärung mit Namibia geben, der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dort wurden zwischen 1904 und 1908 mehr als 85 000 Herero und Nama von kaiserlichen Truppen getötet oder in die Wüste getrieben, wo sie starben.

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Die Kolonialherrschaft der Deutschen ging im Ersten Weltkrieg zu Ende, am 9. Juli 1915, also an diesem Donnerstag vor 100 Jahren.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts gilt für die Bundesregierung nun als "politische Leitlinie" der Satz: "Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord." Diese Formulierung stammt aus einem Antrag, den Außenminister Frank-Walter Steinmeier 2012 als SPD-Fraktionschef mit in den Bundestag eingebracht hatte. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, sagte, dies sei auch Grundlage für die laufenden Gespräche mit Namibia.

Nachkommen von Überlebenden der Gräuel fordern seit vielen Jahren von der Bundesregierung, die Massaker auch als Völkermord einzustufen. Sie wollen auch eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung.

Gespräche auch über Entschädigungen

Der Ministeriumssprecher ließ offen, ob es eine solche förmliche Entschuldigung geben wird. Die Bundesregierung bekenne sich aber ausdrücklich zur "besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia und seinen Bürgern".

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Zum Stand der Verhandlungen sagte er: "Die Gespräche laufen sehr konstruktiv und sind gut vorangekommen, aber noch nicht abgeschlossen." Darin geht es neben der Frage der Anerkennung auch um finanzielle Entschädigung.

Vor wenigen Tagen hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in einem Text in der Zeit die Gräuel in Deutsch-Südwest als "Völkermord" bezeichnet. Der Krieg der Deutschen gegen die Herero sei ein "Rassekrieg" gewesen.

Die Debatte über das Verhalten der Deutschen in Namibia war durch den 100. Jahrestag des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich neu entfacht worden, der im April begangen wurde (hier mehr dazu).

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