Verhältnis zwischen Russland und China Ein gemeinsamer Rivale ist der beste Kitt

"Die Beziehungen waren noch nie so gut wie heute": Die Präsidenten Russlands und Chinas, Wladimir Putin und Xi Jinping, demonstrieren Einigkeit

(Foto: AP)

Das Vorgehen Russlands in der Ukraine ist China egal - weil es politisch und wirtschaftlich profitieren könnte. Der vermeintlich arrogante Westen ist es, der die beiden Staaten noch stärker eint. Dabei gibt es einen aus der Historie gespeisten Argwohn - und auch ganz aktuelle Stolpersteine.

Von Kai Strittmatter, Peking

An diesem Dienstag, wenn Wladimir Putin in Shanghai eintrifft, werden vom Hafen der Stadt Marineschiffe beider Staaten in See stechen, um eine gute Woche lang Gefechte zu üben. Es ist nicht das erste gemeinsame Militärmanöver der beiden Staaten, aber es ist in diesen Tagen von besonderer Symbolik: China und Russland halten zusammen. Tatsächlich wiederholte erst vor ein paar Tagen Chinas Botschafter in Moskau, Li Hui, eine Erklärung seines Außenministers Wang Yi vom März, derzufolge die Beziehungen beider Staaten "noch nie so gut waren wie heute".

Das ist deshalb interessant, weil zwischen den beiden fast wortgleichen Erklärungen eine ereignisreiche Zeit liegt, namentlich die Eskalation in der Ukraine und Russlands Übernahme der Krim. Eine viel diskutierte Stimmenthaltung Chinas bei der Abstimmung über das Krim-Referendum im UN-Sicherheitsrat hatte im Westen kurz die Hoffnung aufkommen lassen, man könne China vielleicht auf seine Seite ziehen. Eine vergebliche Hoffnung.

Viel wurde gesprochen über Chinas Unbehagen angesichts der russischen Aggression - Volksabstimmungen über die Abspaltung ganzer Landesteile müssen den Herrschern über Tibet und Xinjiang ein Grauen sein. Aber die Schnelligkeit, mit der China zusicherte, einst mit der Ukraine vereinbarte Infrastrukturprojekte auf der Krim - symbolisch bedeutsam vor allem der Bau einer Brücke aufs russische Festland - nun auch unter russischer Herrschaft zu bauen, zeigt die Geschmeidigkeit, mit der Peking seine ehernen Prinzipien pragmatischen Überlegungen unterordnet. Vor allem, da nun eines immer klarer wird: Wenn einer von der Krise im fernen Europa profitiert, dann China.

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Nicht nur Moskau sieht sich gezwungen, näher an Peking heranzurücken, auch Europa wird mehr um China buhlen. Der Ukraine-Konflikt bewirke "geostrategische Verschiebungen", heißt es in einem Papier des Berliner Mercator-Instituts für China-Studien. "China ist der große Gewinner der Ukraine-Krise", schreibt sein Autor Moritz Rudolf. Das Land, prophezeit er, könne es sich bequem einrichten in einer "Schaukelpolitik zwischen Europa und Russland", um stets den maximalen Vorteil für sich herauszuschlagen. Putins Besuch in Shanghai wird eine erste Lehrstunde sein, wie geschickt Chinas Unterhändler dabei vorgehen.

Der Energiehunger Chinas steht dabei wieder im Scheinwerferlicht. Chinas Wirtschaft ist heute schon einer der größten Abnehmer von russischem Öl. Vor allem aber hat das Land ein Auge auf Russlands Gas geworfen. Seit Jahrzehnten sprechen die beiden Staaten über ein Abkommen zur Lieferung russischen Erdgases an China, 38 Milliarden Kubikmeter jährlich sollen es vorerst sein, bislang scheiterten die Verhandlungen stets daran, dass China nicht den von Russland geforderten Preis bezahlen möchte.