Vergifteter Ex-Spion UN-Sicherheitsrat befasst sich mit Giftanschlag in Großbritannien

Hier wurden Sergej Skripal und seine Tochter gefunden.

(Foto: REUTERS)
  • Der UN-Sicherheitsrat befasst sich mit dem Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal. Das hat Großbritannien erfolgreich beantragt.
  • Der russische Außenminister Lawrow hat erneut die Vorwürfe zurückgewiesen, wonach Russland hinter dem Anschlag stecke.
  • Mit Spannung wird erwartet, welche Sanktionen London am Mittag gegen Moskau verhängt. Einem Bericht zufolge sollen Diplomaten ausgewiesen werden.

Der UN-Sicherheitsrat befasst sich am Mittwochabend mit dem Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien. Die öffentliche Sitzung finde um 20.00 Uhr MEZ statt, teilten die Niederlande als derzeitiger Ratsvorsitzender am Mittwoch in New York mit. Die britische Regierung hatte die Sitzung beantragt, weil nach ihrer Überzeugung Russland hinter der lebensgefährlichen Vergiftung von Skripal und dessen Tochter am 4. März in Salisbury steckt.

Moskau hatte zuvor ein von London gestelltes Ultimatum zur Aufklärung verstreichen lassen. Russland lasse nicht in der Sprache von Ultimaten mit sich reden, sagte dazu Kremlsprecher Dmitrij Peskow in Moskau. Man habe London über diplomatische Kanäle mitgeteilt, dass Russland unschuldig sei an dem Anschlag. May wird die britische Reaktion am frühen Nachmittag im Parlament bekanntgeben. Mit Spannung wird erwartet, welche Sanktionen London verhängt.

Skripal und seine Tochter immer noch in kritischem Zustand

Der Sender Sky News meldete, Großbritannien wolle Diplomaten ausweisen. Es werde eine beträchtliche Zahl russischer Vertreter treffen.

Der russische Außenminister Lawrow hat die Vorwürfe erneut zurückgewiesen. Russland habe kein Motiv. Doch "diejenigen, die ihre russlandfeindliche Kampagne in allen Sphären des Lebens antreiben wollen, könnten es haben", sagte Lawrow. Er verglich London mit einem Ankläger, der für die Säuberungskampagne des sowjetischen Diktators Josef Stalin zuständig gewesen sei und der gesagt habe, ein Geständnis sei ausreichend für eine Verurteilung. Lawrow sagte, Großbritannien sei einen Schritt weiter gegangen. Es erwarte, dass die Welt sich auf seine Verdächtigungen stütze, um Russland die Schuld zu geben.

Die Mitgliedstaaten der Nato haben Russland aufgefordert, alle Fragen Großbritanniens zum Giftanschlag zu beantworten. In einer durch das Bündnis veröffentlichten Erklärung aller 29 Nato-Mitglieder hieß es am Mittwoch, der "Angriff" sei "ein klarer Bruch internationaler Regeln und Vereinbarungen". Die Verbündeten erklärten Großbritannien ihre Solidarität und boten "ihre Unterstützung bei der Durchführung der laufenden Untersuchung" zu dem Fall an.

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat sich am Mittwoch hinter Großbritannien gestellt und Russland die Verantwortung für die Tat zugewiesen. "Ich drücke meine volle Solidarität mit Premierministerin Theresa May aus hinsichtlich des brutalen Angriffs, der, höchstwahrscheinlich, von Moskau inspiriert wurde", schrieb Tusk am Mittwoch während eines Besuchs in der finnischen Hauptstadt Helsinki im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Der 66-jährige Ex-Agent Skripal und seine 33 Jahre alte Tochter Julia Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich immer noch in einem kritischen Zustand. Die britische Regierung ist sich sicher, dass die beiden Opfer eines Anschlags mit einem Nervengift aus der Gruppe der Nowitschok-Kampfstoffe wurden. Diese wurden spätestens ab den 1980er Jahren in der Sowjetunion und später Russland entwickelt.

Der Fall Skripal erinnert an den Mord an dem Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet worden war. An diesem Montag war in London zudem ein Russe tot aufgefunden worden, der ein früherer Geschäftspartner des Kreml-Kritikers Boris Beresowskij gewesen sein. Beresowskij war seinerseits 2013 nahe London erhängt aufgefunden worden.

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