London Britische Polizei untersucht Tod eines russischen Exilanten

Die Polizei ermittelt im Südwesten von London im Todesfall des Russen Nikolaj Gluschkow.

(Foto: AP)
  • Die britische Anti-Terror-Polizei untersucht den Tod eines russischen Exilanten. Ob sein Tod mit dem Nervengift-Angriff auf den Ex-Agenten Skripal in Verbindung steht, ist völlig offen.
  • Insgesamt sollen etwa 14 alte Todesfälle neu aufgerollt werden.
  • ​Die russische Botschaft in London weist das von der britischen Regierung gestellte Ultimatum zurück.

In London ist ein russischer Exilant tot aufgefunden worden. Bei dem Toten handle es sich um Nikolaj Gluschkow, melden britische Medien. Der leblose Körper des 68-Jährigen sei am späten Montagabend von seiner Familie und Freunden entdeckt worden. Gluschkow soll ein früherer Geschäftspartner des Kreml-Kritikers Boris Beresowskij gewesen sein, der seinerseits 2013 nahe London erhängt aufgefunden worden war.

Die britische Anti-Terror-Polizei bestätigte, eine Untersuchung zu einem Todesfall eingeleitet zu haben, ohne jedoch den Namen des Toten zu nennen. Die Ermittlungen liefen "vorsorglich wegen der Verbindungen, die der Mann gehabt zu haben scheint", teilte die Polizei dem britischen Guardian zufolge mit. Es gebe derzeit keinerlei Beweise, dass der Todesfall mit dem Nervengift-Angriff auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter in Verbindung stehe.

Aufgrund der Vorkommnisse lässt Großbritannien etwa 14 Todesfälle in Großbritannien mit einer möglichen Verbindung nach Russland erneut untersuchen. Das kündigte Innenministerin Amber Rudd am Dienstag in London an. Die Todesfälle reichen teils mehr als zehn Jahre zurück. Darunter sind auch prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, etwa der Oligarch Boris Beresowski.

Merkel fordert Aufklärung von Russland

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London bewusstlos auf einer Bank aufgefunden worden. Sie wurden mit lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Die britische Regierung ist der Ansicht, dass die russische Regierung "höchstwahrscheinlich" hinter der Attacke steht. Der Kreml bestreitet das und fordert Beweise von London.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt die Einschätzung der britischen Regierung zur Frage einer russischen Verantwortung für den Anschlag hingegen "außerordentlich ernst", wie Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem Telefonat Merkels mit der britischen Premierministerin Theresa May mitteilte.

Die Kanzlerin verurteilte demnach den Angriff in Salisbury auf das Schärfste. Von Moskau verlangte sie, "rasche Antworten auf die berechtigten Fragen der britischen Regierung zu geben". US-Präsident Donald Trump sagte laut einer Mitteilung des Weißen Hauses in einem Telefonat mit May, Russland müsse unzweideutige Antworten auf die offene Fragen geben, wie die in Russland entwickelte chemische Waffe in Großbritannien habe eingesetzt werden können.

Die russische Botschaft in London erteilte derweil Forderungen der britischen Regierung eine Absage. Moskau "werde nicht auf ein von London gestelltes Ultimatum antworten", bevor es nicht Proben des Nervengifts erhalte, dem Skripal zum Opfer fiel, teilte die diplomatische Vertretung der britischen BBC zufolge mit. Premier May hatte Russland ein Ultimatum bis Mitternacht gestellt, um den Einsatz des Nervengifts zu erklären.

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