USA und Russland Russische U-Boote nehmen Datenkabel im Nordatlantik ins Visier

Fotografiert von norwegischem Militär: Im Oktober 2016 taucht ein russisches U-Boot vor der norwegischen Insel Andoya in internationalem Gewässer auf seinem Weg ins Mittelmeer.

(Foto: AFP)

Die Nato ist alarmiert über zunehmende Aktivitäten Russlands in der Nähe wichtiger Leitungen. Einem Medienbericht zufolge will das Atlantische Bündnis einen alten Kommandoposten wieder öffnen.

Die Nato ist einem Medienbericht zufolge alarmiert, weil sich russische U-Boote zunehmend in der Nähe wichtiger Datenkabel im Nordatlantik aufhalten. Die russischen Operationen hätten ein Ausmaß erreicht, wie es der Westen seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr erlebt habe, berichtet die Washington Post unter Berufung auf hochrangige Militärvertreter.

Die Datenkabel auf dem Grund des Atlantiks decken fast den gesamten Datenverkehr zwischen den Kontinenten ab. Sie sind essentielle Kommunikationsverbindungen zwischen Europa und Nordamerika. Über diese Kanäle werden täglich Handelsgeschäfte im Umfang von Billionen Dollar abgewickelt, auch transatlantische Telefongespräche hängen von den Leitungen ab.

Die Alternativen zu den Kabeln - Satelliten - sind teurer und übermitteln geringere Datenmengen. Wenn es gelänge, die Seekabel zu kappen, hätte das immense Folgen für die globale Wirschaft. Würden die Kabel angezapft, könnten Dritte wertvolle Einblicke in den internationalen Internet- und Datenverkehr bekommen.

Die Nato ist nervös und investiert ins Aufspüren fremder U-Boote

"Russland zeigt klar ein Interesse an der Unterwasser-Infrastruktur der Nato und Nato-Länder", sagte Andrew Lennon, Kommandeur der U-Boot-Streitmacht des westlichen Bündnisses. "Wir beobachten russische Aktivitäten in der Nähe der Unterseekabel, wie wir sie noch nie gesehen haben." Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass russische U-Boote überall im Atlantik operierten, "auch näher an unsere Küstenlinien".

Wie die Washinton Post berichtet, ist die Nato mittlerweile so nervös, dass sie zur Sicherung des Nordatlantiks die Wiedereröffnung eines nach dem Kalten Krieg geschlossenen Kommandopostens plane. Auch arbeiteten Nato-Verbündete mit Nachdruck daran, ihre Kapazitäten beim Abwehren und Aufspüren von U-Booten zu verbessern. Das habe man zwar auch nach dem Kalten Krieg immer wieder geübt, aber in den vergangenen Monaten sei es notwendig geworden, diese Fähigkeiten anzuwenden.

In den vergangenen drei Jahren hat Russland 13 U-Boote überarbeitet oder neu ausgeliefert. Insgesamt umfasst die russische Flotte der Washington Post zufolge rund 60 große U-Boote, die USA besitzen 66. Hochrangige russische Militärangehörige hatten im vergangenen Jahr bestätigt, dass das Land seine Untersee-Aktivitäten ausweitet. Auf eine Anfrage der Washington Post zum aktuellen Fall hat das russische Verteidigungsministerium nicht geantwortet.

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