Umfrage: Ökopartei stärker als SPD Die Grünen im Glück

Laut Umfragen könnte sich die Ex-Ökopartei Hoffnung darauf machen, den nächsten Kanzler zu stellen. Könnte, wohlgemerkt. Denn ihr stärkstes Zugpferd hat gerade abgewinkt.

Die politische Landschaft hat sich seit dem GAU im japanischen AKW Fukushima gewandelt. Die Union ist plötzlich im Wettlauf mit den Grünen, wer am schnellsten aus der Atomkraft aussteigen will. Und die Wähler servieren der ehemaligen Ökopartei einen Sieg nach dem anderen. Auch in den Umfragen. Auf Bundesebene.

Aufwind für die Grünen: Demo gegen Stuttgart 21. Gegner des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 demonstrieren am Samstag auf dem Stuttgarter Schlossplatz mit Musikinstrumenten lautstark gegen gegen das milliardenschwere Bauvorhaben. Sie appellieren an die zukünftige grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg, das Bahnprojekt endgültig zu beenden.

(Foto: dpa)

Eine vom Meinungsforschungsinstitut Emnid ermittelte Erhebung hat jetzt erstmals eine Mehrheit für einen von den Grünen gestellten Bundeskanzler ergeben. Nach dem im Auftrag der Bild am Sonntag erstellten Sonntagstrend kamen Grüne und SPD gemeinsam auf 47 Prozent und hätten damit eine Mehrheit im Bundestag. Die Öko-Partei erreichte mit 24 Prozent wie in der Vorwoche einen historischen Höchstwert und würde bei einem solchen Wahlergebnis den Kanzler stellen. Die Sozialdemokraten verloren in der bundesweiten Umfrage zwei Punkte und liegen jetzt bei 23 Prozent - ihr schlechtester Wert seit Januar 2010.

Die FDP gewann der Erhebung zufolge einen Punkt hinzu und lag bei fünf Prozent. Die Union verlor einen Zähler und kam auf 32 Prozent. Die Linke verbesserte sich ebenfalls um einen auf neun Punkte.

Für die repräsentative Umfrage, die wöchentlich erhoben wird, befragte Emnid vom 7. bis zum 13. April insgesamt 4193 Wahlberechtigte.

Joschka sagt ab

All die tatsächlichen Wahlerfolge und nicht nur die Siege in den Umfragen führen inzwischen zu einem massiven Mangel an Aktiven, die die Grünen auch als Mandatsträger vertreten können. Das populärste Mitglied der alten rot-grünen (sic!) Bundesregierung, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, hat nun jedoch seiner Partei eins deutlich gemacht: Zu Spekulationen, er werde 2013 für die Grünen um den Einzug ins Kanzleramt kämpfen, sagte Fischer der Bild am Sonntag: "Ich fühle mich geehrt, dass man mir das zutraut. Aber das ist es dann auch. Eine Rückkehr des Joschka Fischer in die Politik ist ausgeschlossen."

Auf den Hinweis, er habe 2005 gesagt, er müsse nur neu nachdenken, wenn es dem Land so schlecht gehe, dass es ihn brauche, antwortete Fischer: "Aber davon ist Deutschland - Gott sei Dank - sehr weit entfernt. Dem Land geht es prächtig - meiner Partei auch." Für die Bürger wäre Fischer allerdings auch fünf Jahre nach seinem Rückzug aus der Politik der beste Kanzlerkandidat der Grünen. Dies ergab eine weitere Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitung.

Bei der Frage, wer der beste Kanzlerkandidat für die Grünen wäre, belegt der 63-Jährige mit 17 Prozent Platz 1. Knapp dahinter folgen die Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin mit 16 Prozent und Renate Künast mit 14 Prozent. Grundsätzlich fänden es 29 Prozent der Deutschen gut, wenn Fischer bei der nächsten Bundestagswahl Kanzlerkandidat wird.

Im direkten Kanzlervergleich unterliegt der frühere Außenminister jedoch Amtsinhaberin Angela Merkel und Sigmar Gabriel: 39 Prozent würden die CDU-Chefin direkt zur Kanzlerin wählen, 22 Prozent den SPD-Chef und 16 Prozent Joschka Fischer.

Emnid befragte am vergangenen Donnerstag 502 Personen.

Gabriel: Scholz und Kraft sind auch potenzielle Kandidaten

Die Welle der Begeisterung für die Grünen scheint inzwischen die SPD nachhaltig zu verunsichern, so dass sich Gabriel bemüßigt fühlt, zwei neue Namen für die Kanzlerkandidatur seiner Partei ins Spiel zu bringen: Demnach sind auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihr Hamburger Kollege Olaf Scholz mögliche Kanzlerkandidaten seiner Partei. "Jeder gewählte Ministerpräsident ist ein denkbarer Kanzlerkandidat", sagte Gabriel der Welt am Sonntag. Die Frage werde Ende 2012, Anfang 2013 geklärt. Er werde dann einen Vorschlag machen. Gabriel hält auch den früheren Finanzminister Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten für möglich.