Udo Pastörs als NPD-Chef Stärkere Einbindung der freien Kräfte

In seiner eigenen Rede hatte er dann von einer "Auschwitzprojektion" der Demokraten und einem "Sieg der Lüge über die Wahrheit" gesprochen. Anteilnahme am Leid der Opfer hatte er als "Betroffenheitstheater" und "Schuldkult" abgetan. Wenige Monate nach dem Urteil boykottierte seine Fraktion im Schweriner Landtag das Gedenken an die NSU-Opfer.

Pastörs ist ein Hardliner und mit ihm an der Spitze wird sich die Partei stark radikalisieren. Innerhalb der NPD sind die Hoffnungen groß, dass vor den Kommunal-, Landtags-, und Europawahlen eine neue Positionierung möglich sein könnte. Tatsächlich will Pastörs künftig vor allem außerparteiliche Zusammenschlüsse von Neonazis wieder stärker einbinden. "Es ist mein Wunsch, dass wir uns wieder verstärkt den Kameradschaften zuwenden", sagt er. Dort gebe es durchaus intellektuelles Potenzial.

Unterstützung erhofft er sich dabei von Udo Voigt. "Es wäre schön, wenn er uns bei dieser Aufgabe zur Seite stehen würde." 15 Jahre hatte Voigt als Bundesvorsitzender daran gearbeitet, die Kameradschaften stärker einzubinden. Die versagten jedoch zunehmend ihre Unterstützung, nachdem Holger Apfel den Parteivorsitz übernahm und den Kurs änderte.

Kein Rückzieher zugunsten Voigts

Die Partei braucht die freien Kräfte, unter anderem für den Wahlkampf vor Ort. Deswegen ist Pastörs sogar bereit, eine Allianz mit Voigt, seinem größten Rivalen zu bilden. 2009 hatte er erfolglos versucht, ihn aus dem Amt des Bundesvorsitzenden zu drängen. Zwei Jahre später unterstützte Pastörs Holger Apfels Kandidatur. Nach dessen Wahlsieg verschwand Udo Voigt praktisch von der Bildfläche und tauchte erst im April 2013 wieder auf. Damals sollte ein neuer Bundesvorsitzender gewählt werden und Voigt kündigte an, gegen Apfel kandidieren zu wollen. Es blieb bei der Drohung.

Im Herbst vergangenen Jahres erklärte er, als Spitzenkandidat für die Europawahl kandidieren zu wollen. Auch Udo Pastörs beansprucht den ersten Listenplatz für sich. Darauf angesprochen, erklärte Voigt, Pastörs solle in Schwerin bleiben. Da gehöre er hin.

Wer es nun wird, entscheidet sich am 18. Januar auf dem Parteitag. Einen Rückzieher zugunsten Voigts will Pastörs nicht machen. "Ich bestehe weiterhin auf diesen Platz", sagt er. Er rechne fest damit, dass auch Voigt bei seiner Position bleibe und es damit zur Kampfabstimmung komme. Pastörs sehe jedoch in ihm keinen Konkurrenten, sondern schlicht einen Mitbewerber. "Wenn er gewählt wird, dann werden wir das alle akzeptieren." Ob es dann wirklich so harmonisch abläuft, wie Pastörs sich das wünscht, wird sich zeigen.

Linktipp: Fast schon legendär ist der Auftritt von Olivia Jones mit blonder Perücke beim NPD-Parteitag - dort traf sie auch auf einen leicht verwirrten Udo Pastörs.