TV-Debatte der Republikaner Diese Republikaner hoffen, dass die Vernunft gewinnt

John Kasich, wahlkämpfend in New Hampshire

(Foto: dpa)

Er stellt sich gegen Trump und Cruz: Die Anhänger von John Kasich wollen die Anti-Establishment-Leute in ihrer Partei bezwingen.

Von Matthias Kolb, Manchester (New Hampshire)

Drei Tage vor der Vorwahl in New Hampshire treffen sich die sieben Präsidentschaftsbewerber der Republikaner zur TV-Debatte. Neben Jeb Bush und New Jerseys Gouverneur Chris Christie braucht John Kasich aus Ohio dringend einen Erfolg. Er hat in dem kleinen Staat an der Ostküste 185 Auftritte absolviert und empfiehlt sich als erfahrener Pragmatiker.

Im "Riverside Room" des Veranstaltungsgebäudes Waumbec Mill in Manchester versammeln sich 300 Kasich-Fans aus dem ganzen Land, um die Debatte zu verfolgen. Die Wähler aus New Hampshire erleben an diesem Abend Einiges - vom missglückten Einmarsch der Kandidaten bis zum Besuch des Gouverneurs im "Riverside Room", wo der 63-Jährige den vielen Freiwilligen zuruft: "Wir können mit einer optimistischen Botschaft gewinnen."

Teil 1: "Ihr habt Kasich vergessen"

Diese Debatte beginnt mit Pannen. Via Lautsprecher werden die Kandidaten angekündigt, doch weil Ben Carson nicht sofort hinter sein Rednerpult geht, kommt es zu großen Verwirrungen. Wegen des Lärms kommen Carson und Donald Trump verspätet auf die Bühne, während John Kasich im Gang stehen bleibt. "Ihr habt Kasich vergessen", tönt es aus dem Off - dann tritt Ohios Gouverneur ins Rampenlicht.

Die Nickligkeiten stören Susan Parker, 68, und Karen Mason, 64, nicht. Die beiden verfolgen aufmerksam im "Riverside Café", was die Moderatoren David Muir und Martha Raddatz fragen. "Es geht ihnen nur darum, neue Schlagzeilen zu machen", klagt Parker. Denn anfangs werden die sieben Republikaner mit fiesen Aussagen ihrer Konkurrenten konfrontiert. Also versichert Trump seinem Rivalen Ted Cruz, dass er sehr wohl den nötigen Charakter habe, um Präsident zu werden.

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In New Hampshire geht es für Floridas Ex-Gouverneur um alles. Sein Auftritt ist kämpferisch - und ziemlich witzig. Von Matthias Kolb, Manchester mehr ... US-Blog

Besonders hart angegangen wird Marco Rubio, der in Iowa mit sehr gutem Ergebnis Dritter wurde. New Jerseys Gouverneur Chris Christie vergleicht ihn mit Barack Obama, der ebenfalls als junger Senator zum Präsident gewählt wurde: "Wir dürfen den gleichen Fehler nicht wiederholen." Jeb Bush stimmt zu - und die Kasich-Fans jubeln. Als sich Rubio verteidigt, buhen sie laut, denn der Senator aus Florida ist Kasichs schärfster Konkurrent. Dieser kommt zuletzt zu Wort und plädiert für strengere Sanktionen gegenüber Nordkorea.

"Niemand ist so erfahren", sagt Susan Parker. Sie engagiert sich für Kasich, weil er 18 Jahre lang Abgeordneter war und seit 2010 in Ohio als Gouverneur regiert. Ihr Wunsch, dass endlich über substanzielle Fragen geredet wird, erfüllt sich. Bei der Diskussion um Einwanderung, wo Cruz und Rubio die 11 Millionen illegalen Migranten deportieren wollen, sagt Kasich: "Das ist keine durchführbare Lösung und widerspricht unseren Werten." Es gehe nicht an, Eltern abzuschieben, deren einziges Verbrechen darin bestehe, illegal die Grenze überschritten zu haben: "Sie sollen Steuern zurück zahlen und sich neu um einen Pass bewerben."