Thüringen vor Regierungswechsel Lichtermeer gegen Ramelows Rot-Rot-Grün

Protest gegen Rot-Rot-Grün Teilnehmer einer Protestaktion gegen eine mögliche rot-rot-grüne Landesregierung in Thüringen, darunter der noch amtierende Thüringer Innenminister Jörg Geibert (CDU, M.) halten am 09.11.2014 auf den Domstufen in Erfurt (Thüringen) Kerzen in den Händen. Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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  • Am Sonntagabend haben in Erfurt 4000 Menschen gegen Rot-Rot-Grün in Thüringen demonstriert.
  • Die Protestierenden riefen "Bodo, geh heim!", in Anspielung auf den Landesvorsitzenden der Linkspartei Bodo Ramelow, der im Dezember Ministerpräsident werden könnte.
  • Die Kundgebung zog auch Gegendemonstranten aus dem linken Lager und Rechtsradikale an.
Von Robert Gast und Cornelius Pollmer

600 Teilnehmer hatten die Organisatoren erwartet, am Ende kamen mehr als 4000. Mit ernsten Gesichtern versammelten sie sich im Zentrum der Thüringer Landeshauptstadt. Viele von ihnen zündeten Kerzen und Teelichter an, im Hintergrund leuchtete der Dom in den Abendhimmel. "Bodo, geh heim!", riefen sie, und: "Bodo raus!" Einige hielten ein Banner hoch: "Die Stasi zieht in die Staatskanzlei ein, das soll der Wählerwille sein?"

Das offizielle Motto der auf Facebook organisierten Kundgebung war zahmer: "Wir verwandeln den Domplatz in ein Lichtermeer gegen rot-rot-grün." Gemeint waren die Pläne von SPD, Grünen und Linkspartei, im Dezember eine Landesregierung unter einem Ministerpräsidenten der Linken zu bilden. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte der Weimarer Unternehmer Clarsen Ratz. Er ist stellvertretender Landesvorsitzende der Thüringer CDU-Mittelstandsvereinigung.

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Ex-Stasi-Mitarbeiter als Landtagsabgeordnete?

Ratz kritisiert, dass mehrere Mitglieder der Linkspartei, die in den neu gewählten Thüringer Landtag einziehen werden, ehemalige Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit seien. "Vielen Thüringern ist unwohl bei dem Gedanken an diese neue Regierung", sagt er im Gespräch mit SZ.de.

Der Organisator nennt es "Das Wunder von Erfurt"

Der Organisator zeigt sich überwältigt von der Resonanz: "Ich nenne es 'das Wunder von Erfurt'." Am 4. Dezember, dem Tag vor der Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten, plant er eine weitere große Demonstration gegen Rot-Rot-Grün.

Allerdings stieß schon die Kundgebung am Sonntag auf Widerstand: Einige Dutzend Gegendemonstranten sollen zum Teil heftig mit den Demonstranten diskutiert haben. Seitens der Piraten und der Grünen Jugend hatte es im Vorfeld Protestaufrufe gegen die Kundgebung gegeben. "Die CDU tritt damit demokratische Grundsätze mit Füßen und instrumentalisiert und beschädigt das Andenken des wichtigen Gedenktages 9. November aus purem Machtkalkül schwer", teilte etwa Bernd Schreiner mit, der scheidende Vorsitzende der Thüringer Piraten.

Erinnerungen an die Reichspogromnacht

Ein Lichtermeer am 9. November - das weckt auch dunkle Erinnerungen. An einem 9. November fiel nicht nur die Berliner Mauer. An einem 9. November putschte auch Hitler in München, im Jahre 1923 (hier mehr Information über den versuchten Staatsstreich). Und 15 Jahre später, am 9. November 1938, brannten fackelschwingende Nazis Synagogen in ganz Deutschland nieder und terrorisierten jüdische Bürger (hier eine Foto-Dokumentation der Pogromnacht). Ist es da nicht unglücklich, an diesem Gedenktag eine Demonstration abzuhalten, auf der "Bodo raus"-Rufe die Nacht füllen?