Terror Auch der Attentäter von Ansbach wurde vom IS per Chat gesteuert

Beispiel Ansbach: Der Syrer Mohammad D. kam 2014 nach Deutschland. Angeblich war seine Familie in Syrien zu Tode gekommen. Der 27-Jährige hatte zuvor bereits in Bulgarien Asyl beantragt, gab aber an, dort schwer misshandelt worden zu sein. In Ansbach kümmerte sich eine Gruppe von Flüchtlingshelfern um ihn. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Er unternahm offenbar zwei Suizidversuche.

Auch Mohammad D. kam in Kontakt mit einem mutmaßlichen IS-Instrukteur. Er wurde ebenfalls aufgefordert zu morden. Der Anschlag sollte beim Musikfestival "Ansbach Open 2016" stattfinden. Mohammad D. schickte dem Instrukteur zunächst ein Foto des Platzes, auf dem das Festival stattfinden sollte.

Mohammad D.: "Dieser Platz wird voll von Leuten sein."

Chat-Partner: "Töte sie alle auf einer großen Fläche, dass sie am Boden liegen."

Am 24. Juli, dem Tag des Anschlags, steht der 27-Jährige wieder in Kontakt mit seinem Instrukteur.

Mohammad D.: "Die Party ist bald zu Ende, und es gibt am Eingang eine Kontrolle."

Chat-Partner: "Such dir einen Platz, und tauch in die Menge ein. Durch die Polizei brechen, rennen, und tue es."

Mohammad D. "Bete für mich. Du weißt ja nicht, was gerade mit mir passiert."

Chat-Partner: "Vergiss das Fest, und gehe zum Restaurant. Mann, was ist mit dir los? Ich würde es wegen zwei Personen durchführen. Vertrau Gott, und lauf zum Restaurant los."

Mohammad D. steuerte eine Weinstube neben dem Festivalgelände an. Dort ging seine Rucksackbombe los. 15 Menschen wurden verletzt. Mohammad D. starb. Vermutlich wurde die Bombe versehentlich gezündet. Der IS behauptete, D. sei ein erfahrener Kämpfer gewesen, ein "Soldat".

Die Schülerin Safia S. bat den IS um Hilfe bei der Tatplanung

Beispiel Niedersachsen: Im Oktober soll vor dem Oberlandesgericht in Celle der Prozess gegen die 16-jährige deutsch-marokkanische Schülerin Safia S. beginnen. Sie stach am 26. Februar im Hauptbahnhof in Hannover einen Bundespolizisten nieder. Die Schülerin hatte nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft den IS um Hilfe bei der Tatplanung gebeten, sie ist also nicht zuerst vom IS angesprochen worden. Die 16-Jährige stand aber über einen Messenger-Dienst in Kontakt mit dem IS. Ihr Coach stellte sich Safia als "Leyla" vor.

Einen Tag vor der Tat gab "Leyla" letzte Anweisungen. Die Schülerin solle einen Polizeibeamten unter einem Vorwand in eine Ecke des Bahnhofs locken, zustechen, ihm seine Pistole entwenden und dann schießen. Safia S. erklärte, sie könne nicht mit einer Pistole umgehen. "Leyla" versprach, ihr zu helfen. Sie brauche dafür nur ein Foto der Pistole, die Bundespolizisten in Deutschland verwendeten.

Die Schülerin schickte ihr kein Foto, aber sie versandte ein Bekennervideo an den IS. Am nächsten Tag nahm sie ein Gemüsemesser und ein Steakmesser, ging zum Bahnhof und stach einem Polizisten in den Hals. Der Beamte wurde schwer verletzt.

Wer "Leyla" ist, wissen die Ermittler bis heute nicht.

Verfassungsschutz sucht nach weiteren Terroristen, die als Flüchtlinge getarnt sind

Die Festnahme dreier Syrer in Schleswig-Holstein ist ein Erfolg für die Behörden. Doch lange wurde die perfide Strategie des IS unterschätzt. Von Georg Mascolo mehr...