SZ-Korrespondenten über US-Wahl Sonja Zekri, Kairo, über Ägypten

Sonja Zekri, Kairo, über Ägypten

Der ägyptische Publizist Hani Schukrallah twitterte einen "Seufzer der Erleichterung" über die Wiederwahl Obamas: "Die Alternative wäre einfach zu schrecklich gewesen." Ägyptens Zeitungen berichten ausführlich, wenn auch nicht hysterisch, dabei dürften die meisten Menschen das Ergebnis nüchterner sehen als Schukrallah. Vor drei Jahren hatte Obama in Kairo seine Rede an die islamische Welt gehalten, hatte einen Neuanfang und bessere Beziehungen versprochen und sich mit einem "Salaam Aleikum" verabschiedet. Und er hatte Frieden schaffen wollen im Nahen Osten.

In den Augen der meisten Araber hat er seitdem Israel so kritiklos unterstützt wie andere US-Regierungen vor ihm, die Volksaufstände gegen die Autokraten in Tunesien oder Ägypten spät erkannt und nicht gewollt.

Und selbst wenn die Menschen zugeben, dass Amerika nur der Drehort für den islamfeindlichen Mohammed-Film ist und nicht die Verantwortung trägt für das Machwerk eines ägyptischen Exil-Christen, so würden die meisten doch der Bloggerin Schaimaa Chalil zustimmen: "Viele sind der Meinung, dass sich die amerikanische Politik im Nahen Osten und in Ägypten nicht verändert hat." Zwar galt Mitt Romney mit seinem israel-freundlichen Furor manchen als besondere Bedrohung, aber auch Obama hat das alte Misstrauen nicht überwinden können: "Amerika bleibt Israels bester Freund und der Feind der arabischen Welt, ganz gleich, ob Romney oder Obama regiert", schreibt der ägyptische Blogger Abdallah.

Immerhin beweise die Wahl, dass in Amerika Demokratie herrsche: In Ägypten habe der neue Präsident Mohammed Mursi seinen unterlegenen Konkurrenten Ahmed Schafik sofort vor Gericht gebracht. Einzig die syrischen Aufständischen hätten lieber Romney im Weißen Haus gesehen. Er hatte im Wahlkampf angedeutet, dass er den Kampf gegen Präsident Assad energischer unterstützen würde als Obama. Waffen, ein Flugverbot, eine Pufferzone - alles, worauf die Aufständischen hoffen, wird Obama wohl auch in der nächsten Amtszeit so schnell nicht liefern.