SZ-Korrespondenten über US-Wahl Cathrin Kahlweit, Wien, über Österreich

Cathrin Kahlweit, Wien, über Österreich

"Verlass die alten Straßen nicht, die neuen sind nicht besser" - mit diesem philosophischen Satz zitiert die Gratis-Zeitung Heute die so genannte Society-Lady Fiona Pacifico Griffini-Grasser aus dem Swarowski-Clan. Sie hat sich, wie die allermeisten österreichischen Promis und Politiker, als Obama-Anhängerin geoutet, wobei die Frage erlaubt sein mag, wie Obama seinen ersten Wahlsieg hätte erringen sollen, wenn die Weisheit von Frau Griffini-Grasser auch schon vor vier Jahren gegolten hätte.

Aber egal: Weiter so, keine neuen Risiken, der soll es noch mal versuchen dürfen - das war die Stimmung in den Medien, aber auch auf der Straße. Allerorten in Wien gab es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch Wahlpartys, wobei die nächtlichen Temperaturen und die längliche Auszählung dazu führten, dass nur wenige Partys bis in den frühen Morgen gingen.

In einer schicken Bar mit Bühne nahe der Wiener Oper spielten gleich drei Bands auf, um Stimmung für Obama zu machen, doch schon um zwei Uhr nachts war das Lokal weitgehend leer. In einigen amerikanischen Sports-Bars und Irish-Pubs, wo sich das englischsprachige Publikum versammelte, wurde viel gejubelt bei jedem neuen Bundesstaat, der an die Blauen fiel - und doch: Ein Schatten lag über dieser Nacht, man sehnte sich heimlich nach der Euphorie von 2008 zurück.

Vielleicht war das auch der Grund, warum auf der Party der US-Botschaft, bei der sich etwa 600 Gäste im Meridian-Hotel tummelten, das Ergebnis der Spaß-Wahl so eindeutig war: Mitt Romney, der in Wien so Ungeliebte, kam auf ganze 16 Stimmen. Und der Mann, der den Österreichern als das geringere Risiko erschien? Amtsinhaber Barack Obama ergatterte satte 198 Stimmen. Von einem solchen Ergebnis träumen derzeit die Parteien und ihre Spitzenleute in Österreich auch; dort wird in einem Jahr gewählt. Eine absolut-absolute Mehrheit, die hätte hier manch einer mehr als gern.