Studie der Adenauer-Stiftung über Familienpolitik Vater/Mutter/Kind war gestern

Gibt es das überhaupt, eine "normale" Familie? Eltern und Kinder beim Spaziergang an der Nordsee.

(Foto: dpa)

Ein Ehepaar mit Kindern ist eine Familie, so viel ist klar. Für die meisten Deutschen gelten aber auch andere Lebensentwürfe als "Familie". Daher fordert nun ausgerechnet die Konrad-Adenauer-Stiftung von der Politik, keine Leitbilder mehr vorzugeben - und bricht so mit allem, was Konservativen heilig ist.

Von Ulrike Heidenreich

Was ist eine "normale" Familie? Mutter - Vater - Kind? Vater - Vater - Adoptivkind? Alleinerziehende Mutter - Kind? Frau - Frau - kein Kind? Wer hat da die Hosen an? Muss man heiraten? Wer arbeitet, wer bleibt zu Hause? All diese Fragen treiben die Union seit Jahren heftig um; wie keine andere Partei ringen CSU und CDU um ein Familienleitbild. Um eine Richtlinie, eine ungefähre Umrahmung dessen, was in der Gesellschaft schon lange zum Leben gehört und das die christlich orientierten Anhänger nicht allzu sehr verstören soll.

Eine Expertise, die die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung nun veröffentlicht, bricht mit so ziemlich allem, was konservativen Politikern bisher heilig war. Demnach ist alles möglich. Zwar ist das verheiratete Ehepaar mit Kindern nach wie vor der Maßstab. 100 Prozent der Befragten sehen das so. Landläufig verstehe man unter Familie aber zu fast 90 Prozent auch homosexuelle Paare, Patchworkkombinationen oder Alleinerziehende. Es sei eine "zentrale Schwäche" der Politik, der Vielfalt des Familienlebens nicht ausreichend gerecht zu werden, so die Erkenntnis.

Bis 1972 war die Vermietung von Wohnungen an nicht verheiratete Paare eine Straftat

Auseinandersetzungen mit "Kampfbegriffen wie Rabenmutter oder Heimchen am Herd" sollten beendet, der "Familiendiskurs sollte entideologisiert" werden, heißt es in der Analyse mit dem Titel "Familienleitbilder in Deutschland". Klare Worte vor dem Hintergrund, dass sich Unionspolitiker intern wie auch mit den Familienexperten anderer Parteien hinter dem Schild "Wahlfreiheit" immer wieder bekriegen: Mal darf die Betreuung von Kleinkindern in Krippen die klassische Familie nicht ersetzen. Mal ist die Unterstützung berufstätiger Mütter Teufelszeug, weil das die traditionellen Werte verändere. Und gerne wird auf der anderen Seite der CSU-Liebling Betreuungsgeld als "Herdprämie" geschmäht.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) beauftragt, hier für Klarheit zu sorgen. 5000 Menschen zwischen 20 und 39 Jahren wurden befragt. "Das Spektrum hat sich erweitert. Die traditionelle Rollenverteilung in der Familie, die noch um 1960, zumindest im Westen Deutschlands, selbstverständlich war, verliert an Bedeutung", sagt Christine Henry-Huthmacher von der KAS.