Spekulationen über Austritt Griechenlands aus Euro-Zone Geheimes Treffen in Luxemburg

Die Finanzminister aus Frankreich, Deutschland, Finnland und den Niederlanden beraten in Luxemburg über Griechenlands Schuldenkrise. Die Spannungen in der Währungsgemeinschaft sind stark. Doch ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wird dementiert.

Von Cerstin Gammelin, Brüssel

Die Euro-Länder sind stark zerstritten darüber, wie die Schuldenkrise einiger Partner überwunden und der Euro gesichert werden kann. Am Freitagabend wurde ein geheimes Krisentreffen der Finanzminister aus den vier wirtschaftlich stärksten Ländern und der Europäischen Zentralbank (EZB) bekannt. Die Minister aus Frankreich, Deutschland, Finnland und den Niederlanden sowie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet berieten in Luxemburg über die Lage in Griechenland, Irland und Portugal. Auf der Agenda stünden "alle Probleme in den Krisenstaaten", sagte ein mit den Vorgängen Vertrauter.

Nicht eingeladen: Jean-Claude Juncker

(Foto: REUTERS)

Spekulationen über Austritt Griechenlands aus Währungsunion

Das Treffen wurde begleitet von Spekulationen über den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Griechenlands Premier Georgios Papandreou erwäge, die Währungsgemeinschaft zu verlassen, berichtete Spiegel Online. Papandreou sehe für das unter Schuldenbergen, Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Niedergang leidende Land keinen anderen Ausweg, als wieder eine eigene Währung einzuführen. Der Euro gab um eineinhalb Cent nach.

Griechenlands Vize-Finanzminister Filippos Sachinidis dementierte umgehend. Sein Land wolle die Euro-Zone keinesfalls verlassen. Sein Ministerium erklärte, der Bericht sei wider besseres Wissen veröffentlicht worden. Die Regierung in Athen habe eine entsprechende Anfrage ausdrücklich verneint. In deutschen Regierungskreisen hieß es, ein Austritt Griechenlands stehe nicht an. Doch werde "über alle anderen Dinge wie eine Verlängerung der Rückzahlungsfristen für Darlehen" geredet. Beschlossen werde auf dem Treffen aber nichts.

EU-Diplomaten führen die neue Hektik in der Euro-Gruppe auf die jüngste Kritik des Internationalen Währungsfonds (IWF) an den griechischen Sparprogrammen, vor allem an der schleppenden Privatisierung zurück. IWF-Experten bezweifeln, dass Athen die Bedingungen erfüllen kann, um die nächste Kredittranche des Hilfspakets zu bekommen. Sie drängen die europäischen Länder, auch über einen Schuldenschnitt zu verhandeln. Die europäischen Länder und der IWF haben Athen 110 Milliarden Euro an Darlehen zugesagt. Die Hälfte ist bereits ausgezahlt. Würde Griechenland insolvent, wäre ein Teil davon verloren.

Nicht eingeladen: Juncker

Wie stark die Spannungen in der Währungsgemeinschaft sind, zeigen die Umstände des Treffens in kleinem Kreise. Der Sprecher der Euro-Länder, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, war weder eingeladen noch informiert. "Es gibt kein Treffen", sagte sein Sprecher der Süddeutschen Zeitung.

Das Bundesfinanzministerium ließ offen, ob Minister Wolfgang Schäuble nach Luxemburg gereist war. Hochrangige Regierungskreise erklärten dagegen: "Es stimmt." Das Treffen sei "lang geplant und nicht geheim". In Spanien, Belgien und der Slowakei hieß es wiederum, über eine solche Sitzung sei nichts bekannt. Der zuständige Sprecher in der Europäischen Kommission zeigte sich ahnungslos. Er wisse nichts über ein Treffen, sagte er.