Auslagerung von Risiken, Schattenbilanzen, Off-shore-Geschäfte: Union und FDP wollen die Folgen der Bankenkrise just mit dem Trick bewältigen, der die Banken in die Krise geführt hat.
Die Welt will betrogen sein. Es ist dies eine sehr alte Erkenntnis, und die sehr neue schwarz-gelbe Koalition macht sie sich zu Nutze. CDU/CSU und FDP bewältigen die finanziellen Folgen der Bankenkrise just mit dem Trick, der die Banken in die Krise geführt hat.
FDP-Chef Guido Westerwelle und Kanzlerin Angela Merkel legen den Klassiker "Das Narrenschiff" neu auf - und nennen es Koalitionsvertrag. (© Foto: dpa)
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Die Banken haben mit Schattenbilanzen gearbeitet, sie haben die riskanten Geschäfte ausgelagert. So ähnlich macht das jetzt auch die schwarz-gelbe Koalition: Sie lagert die gigantischen Schulden in einen Schattenhaushalt aus - um neue Schulden zu machen und um so, wie im Wahlkampf versprochen, Steuern senken zu können.
Die versprochenen Steuersenkungen, von denen schon im Wahlkampf jeder wusste, dass sie auf reelle Weise nicht finanzierbar sein werden, werden nun auf unreelle Weise ermöglicht: Die Schuldenbremse, soeben im Grundgesetz installiert, wird einfach umgangen. Ihre Installation war auf eine berechtigte Forderung der FDP zurückgegangen.
Nun ist die Bremse da, kommt aber auf Betreiben eben dieser FDP nicht zum Zuge. Ist das Betrug? Natürlich ist das Betrug, aber kein strafbarer, schon deswegen nicht, weil die Wähler ja in diesen Betrug eingewilligt haben. Jeder hat gewusst, dass sich das Land Steuersenkungen nicht leisten kann. Aber die verlockenden Versprechungen zumal der FDP hat man trotzdem gern gehört.
Wer die Wahl hat zwischen einem Großsprecher, der viel verspricht, und einem Großsprecher, der wenig verspricht, der wählt halt den, der viel verspricht. Vielleicht, so das Kalkül, hält der ja sein Versprechen, wenn auch mit unlauteren Mitteln; und wenn nicht, ist man mit dem lockenden Großsprecher nicht schlechter dran als mit dem, der von vornherein wenig versprochen hat.
Die Welt will betrogen sein
Das ist das unredliche Kalkül vieler Wähler. Es korrespondiert mit den unlauteren Wahlversprechen. Auf beiden Seiten geht es um Nützlichkeit: Der eine denkt an den Wahlsieg, der andere an sein Säckel. Dieser kleine dialektische Machiavellismus macht die Empörung über "Betrug" und "Farce" nur eingeschränkt glaubwürdig.
Die Welt will betrogen sein: So steht es seit einem halben Jahrtausend im "Narrenschiff" des Sebastian Brant; Albrecht Dürer hat dazu köstliche Holzschnitte fabriziert. Und so ist das Buch eines der erfolgreichsten Bücher der europäischen Literatur geworden, so erfolgreich, dass es jetzt in Berlin neu aufgelegt wird, ohne Bilder von Dürer diesmal: In der Neuauflage heißt das Buch, ganz unköstlich, Koalitionsvertrag.
Aber auch diesmal handelt es sich um eine Satire. Vor allem deswegen, weil die "Haushaltswahrheit" und "Haushaltsklarheit", einst heilige Wörter für die FDP, auf einmal nichts mehr bedeuten. Die Zeiten, so meint Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, FDP, seien so schwierig, dass man zu besonderen Maßnahmen greifen müsse; soll heißen: Der Zweck heilige die Mittel.
Aber der Satz stimmt nun einmal nicht, wie Leutheusser-Schnarrenberger selber am besten weiß. Dieser Satz war viele Jahre lang die Maxime der deutschen Sicherheitsgesetze. Leutheusser-Schnarrenberger selbst ist einst als Justizministerin zurückgetreten, weil sie auch für den guten Zweck dem Lauschangriff nicht zustimmen wollte.
Wann heiligt der Zweck die Mittel?
Und soeben, in den Koalitionsverhandlungen, hat sie versucht, die durch Sicherheitszwecke angeblich geheiligten Mittel wieder einzuschränken. Aber wenn es nicht um Freiheit und Bürgerrechte geht, sondern um Steuersenkungen, dann ist der FDP wieder alles recht, fühlt sie sich an nichts mehr gebunden, auch nicht an das Grundgesetz, das Haushaltsklarheit verlangt.
Wann heiligt der Zweck die Mittel? Wohl dann, wenn für denjenigen, der die Mittel einsetzen will, der Zweck heilig ist: Für die FDP ist das dann der Fall, wenn es um Steuer- und Abgabensenkungen geht. Für Schäuble dann, wenn es um die innere Sicherheit geht. Wann heiligt ausnahmsweise der Zweck die Mittel wirklich? Wenn der Zweck besonders gut ist! Und wann ist er das? Diebstahl wird nicht dadurch gerechtfertigt, dass der Dieb die Hälfe des Geldes für die Krebshilfe stiftet.
Und Folter wird nicht zur guten Tat, weil man so das Versteck des entführten Kindes herausbekommen will. Der Satz vom Zweck signalisiert immer ein gefährliches Nützlichkeitsdenken. Er hat etwas Fressendes: Er ist Motto eines Raubbaus an den Grundsätzen des Rechts, an der Menschenwürde oder der Glaubwürdigkeit von Politik.
Die Koalitionäre weisen darauf hin, dass die Auslagerung von Schulden nichts ganz Neues sei: nach der deutschen Einheit seien die dabei gemachten Schulden ja auch in den Erblastentilgungsfonds ausgelagert worden - im Rahmen des Solidarpakts.
Dieser Hinweis ist Hybris: Ein Koalitionsvertrag ist kein Solidarpakt, und die Schulden, die man zur Finanzierung von Wahlkampfversprechen verschiebt, kann nur ein Tor mit den Schulden der Wiedervereinigung auf eine Stufe stellen. Die Wiedervereinigung war die Erfüllung des Ziels der Verfassung. Nun aber geht es lediglich um die Erfüllung der irrwitzigen Wahlversprechen. Sie sollen um jeden Preis wenigstens teilweise eingehalten werden, weil man nicht eingestehen will, dass man den Mund zu voll genommen hat.
Die Toren hat Sebastian Brant einst auf sein "Narrenschiff" verfrachten wollen. Anlegestelle ist diesmal: Berlin.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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du schreibst:
Vernünftige Menschen sollten dagegen klar Stellung beziehen, und keine Zweifel daran aufkommen lassen, daß Deutscher ist wer in Deutschland geboren wurde ODER Deutsche Eltern hat. "Migrationshintergrund", so ein Quatsch. Dieses diskrminatorische Wort ist die Wurzel des Übels, imho
Da geb ich dir recht, allerdings mit einer Einschränkung.
Wer sich nicht integriert, und das auch nicht vor hat, den bezeichne ich auch nach 30 Jahren noch als Migrant.
Und die Kinder derer genau so, kaum deutsch sprechen, '800.000' Kinder in Deutschland mit Sprachproblemen, die durch Krankenkassen bezahlt nachgeschult werden (hier auch in einem anderen Artikel zu lesen), das kann ich alles nicht mehr verstehen.
Das sind und bleiben Kinder mit Migrationshintergrund, so lange bis eine Integration nach deutscher Vorstellung erfolgt ist , und nicht nach Ströbeles Spinnereien.
Das halte ich nicht für Diskriminierung, das ist ein selbst verschuldeter Mangel der Migranten.
Herr Prantl spricht ein reales Dilemma an: das Volk will keine ehrlichen Politiker, die die Vorteile einzelner Gruppen abbauen.
Stellen Sie sich vor, jemand würde eine Partei mit den folgenden Forderungen gründen:
1. Bauern und andere Reiche bekommen keine Subventionen mehr.
2. Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst bekommen nur noch eine Vergütung, die dem durchnittlichen Einkommen in der Wirtschaft entspricht.
3. Große Firmen und deren Mitarbeiter werden nicht mehr auf Staatskosten *gerettet*.
4. Rentner bekommen keine (intransparenten) Zuschüsse mehr aus anderen staatlichen Töpfen, sondern insgesamt nur noch die staatlichen Rentenbeiträge.
5. Selbstständige müssen alle Zahlungstransaktionen mit elektronischem Geld abwickeln (zwecks Verhinderung der Schwarzarbeit) und sich privat rentenversichern, damit sie im Alter nicht der Gemeinschaft auf der Tasche liegen.
6. Arbeitslose müssen ihr Arbeitslosengeld im Gegenzug 20 Stunden pro Woche für den Staat (die Gemeinschaft) soziale Arbeit verrichten.
7. und und und
Wer würde eine solche Partei wählen? Niemand! Denn alle wollen für sich nur Vorteile und das geht am einfachsten, indem man sich Geld leiht, wodurch der Staat jedoch weiter verschuldet wird.
Allerdings wird es irgendwann zum ganz großen Knall kommen, wenn die Schuldenblase blatzt.
stehen Sie auch schon kurz vor der Liquidation ?
Die Trauerbinde heute scheint ja schon mal vorgeschaltet zu sein ...
Was bitte ist an nachfolgenden Zeilen nicht Netiqettekonform oder spricht gegen die AGB ??
Um Aufklärung wird gebeten. Danke vorab.
Heute Nachmittag so in meinen Gedanken nach dem Lesen des Artikelsüber das Narrenschiff....
Prantl macht sich und sein Blatt zur Wind in der Flaute Karikatur. Schon blöd wenn das
Schiff von Narren gesteuert wird und der wechselnde Medienwind versucht die
Richtung zu kritisieren, egal wohin es geht - zumal ja man davon lebt ;-))))
Wer daran geglaubt hat, dass jemand anderes als die Besserverdienenden finanziell entlastet werden sollen war wohl wirklich ziemlich naiv. Dass die FDP diese Steuersenkung zu Lasten der Zukunft und der Menschen, die so gerade über die Runden kommen machen finde ich besorgniseregend.
Es wäre wichtiger Kinder zwei Jahre lange auf die Grundschule vorzubereiten als denen zu geben, die bereits haben.
Es ist schon witzig, dass dieselbe Partei, die gegen Höchstgehälter sind gleichzeitig gegen Mindestgehälter sind. Gehälter von Großkopferten und Fußvolk sollten in einem Verhältnis stehen, das sozialverträglich ist.
Ich habe kein Problem Millionen Euronen zu verdienen und dabei höchste "Verantwortung" zu tragen wenn ich die Karre gegen die Wand fahren kann ohne dass mir etwas passiert.
Heute prügeln wir die SPD dafür, dass sie mit der Agenda 2010 längst überfällige und unvermeidliche Korrekturen durchgeführt hat, um die sich Herr Kohl in den 90ern tunlichst herumgedrückt hat (schließlich waren z.B. die heutigen Rentenempfänger und Einzahler damals alle schon namentlich bekannt). Leider hat sich die SPD dabei, was ihr soziales Profil anbelangt, entkernt.
In vier Jahren werden wir jedoch vermutlich feststellen, dass Schwarz/Gelb den Karren auch nicht aus dem Dreck kriegt und dass die soziale Schere und die Zahl derer, die zu den Verlierern unseres Systems zu zählen sind und die Staatsschulden noch größer geworden sind.
Wählen wir dann wieder SPD?
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