"Stimmt für mich, weil ihr dieses Land liebt"

Romney wirbt um Wechselwähler /
Von Matthias Kolb, West Chester/Ohio
/ Veröffentlicht am , im US-Wahlblog

Mitt Romney und seine Ehefrau Ann Romney in West Chester, Ohio. Romney läutetete den Endspurt des Wahlkampfes mit positiven Botschaften ein. 

(Foto: AFP)

Es ist die Wut auf US-Präsident Obama, die die 18.000 Zuschauer an diesem kalten Herbstabend wärmt. Vor dem letzten Wahlkampf-Wochenende präsentieren sich die Republikaner voller Zuversicht. Sie sind sich sicher, dass Mitt Romney und Paul Ryan ins Weiße Haus einziehen werden. Die scharfen Attacken auf Obama überlässt der Kandidat dabei anderen. Romney präsentiert sich als Mann des Ausgleichs und Optimismus. Amerika habe eine strahlende Zukunft vor sich - wenn er gewählt werde.

"Ich will als Präsident nicht nur eine Partei repräsentieren, sondern die ganze Nation", ruft Mitt Romney der Menge in West Chester zu. Je länger der 65-Jährige an diesem Abend spricht, umso besser wird er - und umso pathetischer. Es komme nur auf die richtige Führung an und das Land werde wieder zu alter Stärke und Optimismus zurückfinden: "Wir Amerikaner geben nicht auf."

Wie in den drei TV-Debatten präsentiert sich Mitt Romney bei der größten Wahlkampf-Veranstaltung des Jahres als pragmatischer Politiker mit Wirtschaftskenntnissen, der zum Wohl des Landes mit den Demokraten zusammenarbeiten wolle. Als Beweis führt er seine Karriere an: Er wisse, wie man Jobs schafft (mit seiner Investmentfirma Bain Capital), Institutionen aus der Krise führt (Organisator von Olympia 2002), den Staatshaushalt ausgleicht und mit der Opposition kooperiert (als Gouverneur von Massachusetts).

Die Ideen für seine besten Sprüche holt sich Romney bei seinem Gegner Barack Obama. Als dessen Fans am gleichen Nachmittag bei einem Event in Springfield laut "Buh" rufen, als der Name Romney fällt, entgegnet der US-Präsident: "Buht nicht, geht wählen. Wählen ist die beste Rache." Der Republikaner antwortet souverän: "Ihr sollt nicht abstimmen, um euch zu rächen. Ihr sollt abstimmen, weil ihr dieses Land liebt." Romney, der im Vorwahlkampf weit nach rechts gerückt war, klingt fast wie Obama 2008: "Wenn ihr echten Wechsel wollt, dann gebt mir eure Stimme."

US-Wahlatlas 2012 zum Öffnen der Grafik klicken Sie auf das Bild!

Wer Präsident Obama in Hilliard erlebt hat und Stunden später in der Kälte (an die Journalisten wurden Decken und Handwärmer verteilt) seinem Herausforderer in einem Vorort von Cincinnati lauscht, dem wird klar: Mitt Romney geht mit einer positiveren Botschaft in den Wahlkampf-Endspurt. Auf harte Attacken auf den Präsidenten kann Romney verzichten, denn diese Aufgabe hat zuvor ein All-Star-Aufgebot an republikanischen Senatoren, Gouverneuren und Abgeordneten übernommen und die Menge wärmt sich sowieso an ihrer Wut auf den Demokraten. Dessen Schlachtruf "Four more years" wird in West Chester zu "Four more days" umgewandelt und bei jeder Gelegenheit gebrüllt.

Das All-Star-Team der Republikaner hat seinen Auftritt

Es ist eine Art Mini-Parteitag, den die Republikaner für ihre Schlussoffensive mit dem Titel "Romney Ryan Real Recovery Road Rallye" inszeniert haben - und anders als in Tampa entstehen eindrucksvolle Bilder. Die Bühne ist von Fans umgeben, die eifrig mit Stars-and-Stripes-Fähnchen winken, und als Romney und sein Vize Paul Ryan sprechen, stehen mindestens 50 Politiker in roten und blauen Fleece-Jacken hinter ihnen, um Unterstützung zu signalisieren.