Reaktionen zu Steinbrücks Kanzlergehalt-Aussage "Als Kanzlerkandidat den Beruf verfehlt"

Kritik auch aus den eigenen Reihen: Peer Steinbrück will Bundeskanzler werden - und findet monatlich etwa 18.000 Euro zu wenig Geld für dieses Amt. Aber selbst in der SPD hat man wenig Verständnis für die Gehaltsvorstellungen des Kanzlerkandidaten.

Parteiübergreifende Kritik hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit seiner Äußerung ausgelöst, dass das Amt des Bundeskanzlers zu niedrig bezahlt sei. "Beschwerden darüber hat man von der Bundeskanzlerin selbst bisher nicht gehört", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Union, Michael Grosse-Brömer (CDU), der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Er räumte zwar ein, dass das Gehalt "sehr niedrig" sei, doch Geld könne nicht der Beweggrund dafür sein, das Amt auszuüben.

"Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin", hatte Steinbrück in einem Interview mit derselben Zeitung gesagt. "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt."

Nach Ansicht mehrerer SPD-Politiker ist dieser Vergleich ihres Kanzlerkandidaten jedoch falsch. "Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler", sagte der Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz der FAS. "Unsere Gehälter sichern uns eine gute bürgerliche Existenz - mehr muss nicht sein."

"Man macht es nicht, um reich zu werden"

Der Kieler Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels sagte, es sei auch eine Ehre, ein politisches Spitzenamt wie das des Bundeskanzlers zu bekleiden. "Man macht es nicht, um reich zu werden", sagte Bartels.

Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider sagte der FAS zur Vergütung von Bundeskanzlern: "Das ist die bestbezahlte Tätigkeit in der Bundesregierung mit Pensionsansprüchen, die durchaus angemessen sind."

Altkanzler Gerhard Schröder war mit seiner Vergütung als deutsches Regierungsoberhaupt zufrieden. Er sagte der Bild am Sonntag, seiner Meinung nach würden Politiker in Deutschland "angemessen bezahlt". "Ich habe jedenfalls davon immer leben können. Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen."

Steinbrück habe "als Kanzlerkandidat den Beruf verfehlt"

Das Monatsgehalt Merkels beträgt aktuell 16.085,91 Euro. Doch hat die Regierung im Mai erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Erhöhung ihrer Bezüge beschlossen. Im Januar klettert das Kanzlerinnengehalt daher um 200 Euro, weitere Schritte sind im März und August vorgesehen.

Ab August beträgt die Vergütung dann 17.016,16 Euro. Hinzu kommt die steuerfreie "Dienstaufwandsentschädigung" von gut 1000 Euro im Monat. Weil Merkel auch Parlamentarierin im Bundestag ist, stockt sich ihr Einkommen zusätzlich um die Hälfte der Abgeordnetenentschädigung auf.

Für Linke-Parteichefin Katja Kipping mehr als genug: "Wer ernsthaft meint, dass Kanzler mehr als das Siebenfache des Durchschnittslohns verdienen müssen, der hat als Kanzlerkandidat den Beruf verfehlt", sagte sie der Nachrichtenagentur dapd. Steinbrücks Klage verhöhne die Wähler und vertreibe sie von den Urnen.

Kipping forderte deshalb Mechanismen, damit Politiker nicht den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren. "Wir haben einen einfachen Vorschlag: Die Politikergehälter sollten künftig nicht stärker angehoben werden als die Durchschnittsrente. Dann wissen alle in politischer Verantwortung, wie sich die Folgen ihrer Politik auf dem Konto anfühlen", sagte sie.