Rabbiner zu Beschneidungsurteil "Schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust"

Juden haben in Deutschland keine Zukunft mehr, wenn das Beschneidungsurteil Bestand hat - mit diesen drastischen Worten bezieht der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner Stellung gegen die Rechtsprechung des Kölner Gerichts. Politiker überlegen nun, mit welchen gesetzlichen Mitteln auf das Urteil reagiert werden kann, das eine Beschneidung aus religiösen Gründen untersagt.

Das Kölner Beschneidungsurteil ist nach Darstellung der Konferenz Europäischer Rabbiner der schwerste Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland seit dem Holocaust.

"Sollte das Urteil Bestand haben, sehe ich für die Juden in Deutschland keine Zukunft", sagte der Präsident des Verbandes, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, in Berlin. Er gehe jedoch davon aus, dass die Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen gesetzlich in der Bundesrepublik verankert wird.

Das Landgericht Köln hatte als erstes Gericht im Juni die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung bewertet. Das Selbstbestimmungsrecht des Kindes werde dadurch verletzt.

Jüdische und muslimische Organisationen reagierten empört auf das Kölner Urteil. Sie sahen darin einen Angriff auf die Religionsfreiheit und eine grobe Missachtung religiöser Traditionen.

Von ärztlicher Seite kam hingegen durchaus Zustimmung: So nahm die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) das Urteil "begrüßend zur Kenntnis". Die Entscheidung des Kölner Gerichts gebe Rechtssicherheit und unterstreiche das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit.

Politiker unterschiedlicher Parteien überlegen nun, mit welchen gesetzlichen Mitteln auf das Urteil reagiert werden kann. Zuletzt schlug der integrationspolitische Sprecher der FDP, Serkan Tören, vor, Beschneidungen durch eine Änderung des Patientenrechts zu legalisieren.

Der Paragraf 630, der auch ästhetische Eingriffe regelt, solle ergänzt werden, schrieb Tören laut einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Tören schlug vor, auch medizinisch nicht zwingend notwendige Eingriffe zu erlauben, "sofern die Risiken überschaubar sind und keine negativen gesundheitlichen Folgen aus ihnen resultieren".