Putin und Schröder in Sankt Petersburg Umarmung unter Freunden

Gerhard Schröder (3. v. r.) umarmt einen Mann, bei dem es sich um Russlands Präsidenten Putin handeln soll.

(Foto: dpa)

Unfreiwillige Foto-Gelegenheit: Mitten in der Ukraine-Krise wird Altkanzler Gerhard Schröder geknipst, wie er den russischen Präsidenten Wladimir Putin herzlichst umarmt. Das Bild entstand vor einem Empfang des umstrittenen Pipeline-Unternehmens Nord Stream.

Von Johannes Kuhn

Gerhard Schröder war in seiner Zeit als aktiver Politiker ein Meister der Selbstinszenierung. Er dürfte deshalb wissen, was das Foto auslöst, das der Sankt Petersburger Pressefotograf Anatoly Maltsev am Montagabend geknipst hat. Unscharf ist der Altkanzler zu sehen, wie er einen Mann umarmt, der aus einer Limousine steigt.

Bei dem Mann, von dem nur der Hinterkopf zu sehen ist, soll es sich um Wladimir Putin handeln. Dies berichtet das regionale russische Nachrichtenportal Fontanka.ru. Mitten in der Ukraine-Krise sorgt Schröder also abermals mit seiner Männerfreundschaft zum russischen Präsidenten für Schlagzeilen.

Die Begegnung fand Fontanka zufolge vor dem Petersburger Jussupow-Palais statt. Dort soll das Pipeline-Unternehmen Nord Stream einen Empfang zu Ehren von Schröder abgehalten haben, der am 7. April 70 Jahre alt wurde. Ob es sich um eine offizielle Geburtstagsfeier handelte, ist unklar.

Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Unternehmens, das die gleichnamige Ostsee-Pipeline betreibt und vom russischen Staatskonzern Gazprom dominiert wird.

Ein Sprecher der Nord Stream AG wollte die Feier auf Nachfrage von Süddeutsche.de nicht bestätigen. Es habe ein "reguläres April-Meeting der Shareholder" gegeben, "aber was die Herren danach machen, das entzieht sich meiner Kenntnis".

Allerdings hatte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering bereits vor einigen Tagen angekündigt, bei seiner derzeit stattfindenden Reise nach Sankt Petersburg "an einem Wirtschaftsempfang der Firma Nord Stream zu Ehren des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder" teilnehmen zu wollen. Für seine Reisepläne war der SPD-Politiker heftig kritisiert worden.

Schröder hatte Putin zuletzt während der Krim-Krise verteidigt und vor einem "erhobenen Zeigefinger" gewarnt. Russlands Präsident habe als historisch denkender Mensch gewisse "Einkreisungsängste", sagte Schröder damals, er wolle ihn aber nicht "verurteilen".

"Natürlich ist das, was auf der Krim geschieht, ein Verstoß gegen das Völkerrecht", sagte er im März auf einer Veranstaltung. Allerdings habe er als Kanzler beispielsweise selbst gegen das Völkerrecht verstoßen, als er 1999 die Teilnahme am Nato-Einsatz im ehemaligen Jugoslawien erlaubt habe, ohne dass dafür ein Mandat des UN-Sicherheitsrates vorlag.

Auf weiteren Fotos vom Empfang vor der Veranstaltung am Montagabend sind Gazprom-Chef Alexej Miller und Nord-Stream-Chef Matthias Warnig zu sehen. Von der Veranstaltung selbst gibt es keine Bilder. Einzig der Schlagzeuger einer Band veröffentlichte am Nachmittag auf Instagram ein Foto, das ihn vor dem noch leeren Saal zeigt. Bei Twitter erklärte er, an diesem Abend für "höhere Ränge" zu spielen, ohne konkret zu werden.

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