Prozess gegen Abu Walaa Abu Walaas Verteidiger nennt Kronzeugen einen Hochstapler

Als „Prediger ohne Gesicht“ wurde Abu Walaa bekannt, nun muss sich der 33-Jährige vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten.

(Foto: Reuters)
  • Abu Walaa und seine Helfer sollen dafür gesorgt haben, dass mehrere Menschen aus Deutschland für den IS in den Krieg gezogen sind.
  • In seiner Nähe soll sich auch Anis Amri aufgehalten haben, der Attentäter von Berlin.
  • Zur Last gelegt werden den Beschuldigten unter anderem die Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zu Mord.
Von Peter Burghardt, Celle

Der "Prediger ohne Gesicht" trägt einen üppigen Bart und einen fast kahl rasierten Schädel. In seinen Propagandavideos, die in der islamistischen Szene die Runde machten, drehte Ahmad Abdulazis Abdullah A. alias Abu Walaa der Kamera den Rücken zu, das brachte ihm diesen Beinamen ein und diese geheimnisvolle Aura.

Nun sitzt er im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Celle auf der Anklagebank hinter Panzerglas und muss auch die schützende Aktenmappe sinken lassen, als am Dienstagvormittag dieser Prozess beginnt. Hier geht es um seine mutmaßliche Rolle bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es geht um den möglichen Statthalter dieses IS mitten in Deutschland.

Am Eingang wird entsprechend kontrolliert. Polizisten mit Maschinengewehren bewachen das Gebäude in der Altstadt; Mitwirkende, Reporter und Zuschauer müssen Schleusen passieren und ihre Mobiltelefone abgeben. Vermutlich viele Monate lang wird das an den Verhandlungstagen so gehen. Es gibt eine Menge Details aus dem Schattenreich des IS zu klären.

Abu Walaa gab den Segen für den "großen Bums"

Der IS-Hassprediger soll Kämpfern in Deutschland den "Feinschliff" gegeben haben. Auch Berlin-Attentäter Anis Amri bewegte sich wohl in seinem Umfeld. Jetzt beginnt in Celle der Prozess. Von Lena Kampf mehr ...

Denn Abu Walaa, der sein Gesicht nicht zeigen wollte, gilt den Klägern als zentrale Figur im deutschen Teil des Schreckens. Er und seine Helfer sollen dafür gesorgt haben, dass mehrere Menschen aus Deutschland in den Krieg gezogen sind. In seiner Nähe aufgehalten haben soll sich auch Anis Amri, der Attentäter von Berlin.

Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis

Die Bundesanwaltschaft wirft dem gebürtigen Iraker Abu Walaa, 33 Jahre alt, und den vier Männern neben ihm vor, Freiwillige angeworben und zum IS nach Syrien und in den Irak geschickt zu haben, um zu töten, zu sterben oder beides. Zur Last gelegt werden den Beschuldigten unter anderem die Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung, Beihilfe zu Mord, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie die Vorbereitung staatsgefährdender Straftaten. Ihnen allen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Das vermutlich sehr langwierige Verfahren vor dem Staatsschutzsenat könnte vor allem erklären, auf welche Weise der IS es schafft, vor allem junge Menschen in den Kampf und den Tod zu schicken.

Abu Walaa kam 2003 aus dem Irak und war bis zu seiner Verhaftung im November 2016 Imam des inzwischen verbotenen Vereins Deutscher Islamkreis Hildesheim. Dort in der niedersächsischen Provinz und in anderen Moscheen radikalisierte er laut der Bundesanwälte Sympathisanten, "wobei er sich ausdrücklich zum IS bekannte".

Abu Walaa habe als "Deutschland-Repräsentant des IS enorme Anziehungskraft für Personen im dschihadistischen Spektrum" ausgeübt, bis nach Spanien, Frankreich und Bulgarien - und auch in anderen deutschen Moscheen gepredigt, in Berlin, Kassel oder Frankfurt. Er habe Kontakte bis in die Führung des IS gehabt und mit seinen Unterstützern "hohe suggestive Wirkung auf die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen" ausgeübt. Zu seinen Zuhörern in Hildesheim gehörte offenbar der Tunesier Anis Amri, der 2016 mit einem Lastwagen elf Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt totfuhr.