Proteste während des Ramadan Syrer erwarten blutige Fastenzeit

Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan versucht Präsident Assad, den Aufstand des syrischen Volkes brutal zu unterdrücken. Im heiligen Monat der Muslime wird sich die Lage in Syrien nicht beruhigen - ganz im Gegenteil.

Jeden Freitag ist das syrische Regime in Alarmbereitschaft. Wenn die Gläubigen mittags aus den Moscheen strömen, kommt es regelmäßig zu Massendemonstrationen und Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und Regimegegnern. In Tunesien und Ägypten haben nicht zuletzt die Proteste nach dem Freitagsgebet zum Sturz der dortigen Machthaber geführt.

Ab sofort ist in der arabischen Welt jeder Tag ein Freitag. Am 1. August beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan. Das heißt nicht nur, dass Muslime in den kommenden 30 Tagen erst nach Sonnenuntergang essen und trinken dürfen, viele von ihnen gehen auch jeden Tag in die Moschee - den einzigen Ort in Syrien, an dem sich große Gruppen noch relativ gefahrlos versammeln und diskutieren können.

Von den Gotteshäusern könnten in den kommenden Tagen und Wochen neue - und stärkere - Demonstrationen ausgehen. "Die Menschen sind sehr emotional in dieser Zeit", zitiert die ARD einen syrischen Oppositionellen. "Wir sind bereit, und die Revolution wird an Kraft gewinnen."

Für die Regimegegner kommt der Ramadan zum richtigen Zeitpunkt: Sie möchten ihren Protest verstärken und jeden Tag Menschenmassen auf die Straßen bringen, anstatt wieder sechs Tage auf den nächsten Freitag warten zu müssen. Dass die Entschlossenheit der Syrer steigt, könnte auch mit religiösen Überzeugungen zu tun haben: Wer während des Ramadan Gutes tut oder gar als Märtyrer stirbt, wird nach Ansicht gläubiger Muslime dafür im Jenseits reich belohnt.

Dass Präsident Baschar al-Assad wegen des Fastenmonats seine Militäroffensive gegen die eigenen Bürger einstellt, ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Am Sonntag hatte er die Protesthochburg Hama stürmen und dort ein Massaker anrichten lassen - ein brutaler Versuch, den Aufstand noch vor Beginn des Fastenmonats in den Griff zu bekommen. Menschenrechtsaktivisten zählten in ganz Syrien 142 Tote. Die Syrer betrauern sie als die ersten "Märtyrer" dieses Ramadans.

An diesem Montag sollen Panzer und Scharfschützen in der Stadt Deir al-Zor einmarschiert sein und nach Augenzeugenberichten mindestens 25 Menschen getötet und 65 weitere verletzt haben. Auch Hama soll seit Montagmorgen wieder unter Beschuss stehen.

Assad hat sich währenddessen demonstrativ hinter die Armee gestellt und ihre Arbeit gelobt. Das Militär habe seine "Loyalität zu seinem Volk, seinem Land und seinem Glauben unter Beweis gestellt", sagte er in einer Rede zum 66. Jahrestag der Gründung der syrischen Armee. Die Regierung sei so "entschlossen wie nie zuvor", ihre Politik fortzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Präsident Assad auf, das massive Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen das eigene Volk "umgehend einzustellen". Die Europäische Union erließ gegen fünf weitere führende Personen des Staates ein Einreiseverbot und fror Konten der Betroffenen ein. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton drohte, die EU werde die Sanktionen weiter verstärken, sollte die syrische Regierung ihr Vorgehen nicht ändern. Diese hatte sich in der Vergangenheit von ähnlichen Drohungen wenig beeindruckt gezeigt.

Um zu verhindern, dass Moscheen weiterhin zum Ausgangspunkt von Demonstrationen dienen, ließ Assad mehrere Gotteshäuser wegen Renovierungsarbeiten schließen, etwa in der Stadt Aleppo. Die Bewohner haben daraufhin angekündigt, auf der Straße zu beten - und so auch ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, sich nicht von der Regierung in die Schranken weisen zu lassen.

"Gewöhnlich bringt Ramadan die Familie zusammen", sagte die Syrierin Um Yasmin der New York Times. "Doch dieses Jahr bringt Ramadan ganz Syrien zusammen."