Scheich Raed Salah Antisemit aus Israel

Scheich Raed Salah, arabisch-israelischer Islamist, predigt die dritte Intifada. (Foto: AFP)

(Foto: AFP)

Scheich Raed Salah predigt einen radikalen Islam, fordert eine neue palästinensische Intifada - und ist Israeli.

Porträt von Peter Münch

Am Flughafen war Endstation. Vor einigen Tagen wollte Scheich Raed Salah von Israels Ben Gurion Airport aus nach Istanbul fliegen zu einer Konferenz, bei der es natürlich ums heilige Jerusalem ging.

Ein feuriger Redner wie er ist da immer willkommen, doch kurz vor dem Abflug hatte Israels Innenminister ein Ausreiseverbot verhängt gegen den Scheich. Die Begründung: Salahs geplante Konferenzteilnahme gefährde die Sicherheit des Staates.

Kein Anführer, aber ein geistiger Brandstifter

Die Sicherheit ist derzeit tatsächlich gefährdet durch all die jungen palästinensischen Gewalttäter, die mit Messern, Schraubenzieher und in einem Fall sogar mit einem Kartoffelschäler losziehen, um jüdische Israelis anzugreifen.

Ein Anführer dieses diffusen Aufruhrs ist nirgends zu sehen, doch bei der Suche nach den geistigen Brandstiftern ist die Jerusalemer Regierung sehr schnell auf Raed Salah gekommen, den muslimischen Prediger mit israelischem Pass. Premierminister Benjamin Netanjahu will die von Salah angeführte Islamische Bewegung aus dem Norden Israels nun schnellstmöglich verbieten, und Salah darf sich wieder mal auf unruhige Zeiten einstellen.

Weißbärtig und heißblütig, ist der fromme Vater von acht Kindern seit Langem schon die Kultfigur der Radikalen unter den israelischen Arabern. Politisch aktiv war er zunächst als Bürgermeister seiner Heimatstadt Umm al-Fahm im Hinterland von Haifa, wo er 1958 auch zur Welt gekommen ist.

Doch Amtsstuben sind gewiss nicht das geeignete Biotop für einen solchen Kämpfer, der als gelernter Poet obendrein weiß, wie er das Wort als Waffe einsetzen kann. Seit Jahr und Tag also predigt er schon den Aufstand, und im Zentrum seiner Tiraden steht stets das, was auch den derzeitigen Gewaltausbruch befeuert: der Kampf um den Tempelberg und die dortige Al-Aksa-Moschee.

Die Juden würden Brot aus Kinderblut backen, sagt Salah

Den israelischen Behörden gilt Salah mit seiner Islamischen Bewegung als verlängerter Arm der Hamas, der Israel von innen heraus bekämpft. Immer wieder landete der Scheich auch im Gefängnis - weil er Millionenbeträge an die Hamas weitergeleitet haben soll, wegen Kontakten zu einem iranischen Geheimdienstler, wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Polizisten. Seine Popularität hat das nur gesteigert, und seine Wut auf den israelischen Staat natürlich auch.

Zum Flughafen war er übrigens fast direkt aus dem Gerichtssaal gefahren. Es ging um eine alte Sache aus dem Jahr 2007. Bei einer Predigt in Jerusalem vor 3000 Anhängern hatte Salah zur "dritten Intifada" aufgerufen und die Massen angeheizt mit der Erklärung, dass die "Juden zum Brotbacken das Blut von Kindern" benutzen.

Für diese antisemitische Hetze war er zu elf Monaten Haft verurteilt worden, nun ging es um die Berufung. Vor dem Gefängnis habe er keine Angst, auch von dort aus werde der Kampf weitergehen, rief Raed Salah seinen Anhängern zu. "Mit unserer Seele und unserem Blut werden wir Al-Aksa verteidigen."

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