Parteitag der US-Republikaner in Tampa Romney will Amerika zurück in die Vergangenheit führen

Der Polit-Roboter macht sich locker: In einer soliden Rede verspricht Mitt Romney, die alte Stärke der USA wiederherzustellen. Er greift US-Präsident Obama nicht persönlich an, sondern umwirbt geschickt dessen enttäuschte Anhänger. Doch das Programm, mit dem der selbsternannte Business-Experte zwölf Millionen Jobs schaffen will, ist erschreckend vage.

Von Matthias Kolb, Tampa

Mitt Romney geht die Sache systematisch an. Handshake rechts, Handshake links, zur Abwechslung mal ein Schulterklopfen - so arbeitet sich der Republikaner durch die Menge zum Rednerpult vor. Dazu dröhnt Kid Rocks Song "Born Free" durch das Tampa Bay Times Forum. Vierzig Minuten wirkt Romney nicht mehr wie der steife Polit-Roboter, der seine Anhänger auf die stets gleiche Art angrinst. Entspannt und zufrieden steht der 65-Jährige mit seiner Ehefrau Ann auf der Bühne, 120.000 rote, blaue und weiße Luftballons regnen von der Decke.

Eine rhetorische Meisterleistung hatte niemand von dem frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten erwartet - und er hat sie auch nicht geliefert. Stattdessen hielt Romney eine solide Rede, in der er versprach, die US-Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Für seine Kritik an Obamas Politik wurde er ebenso frenetisch gefeiert wie für sein Bekenntnis, Härte gegenüber Iran und Russland zu zeigen. Er sparte nicht mit Familien-Anekdoten und umschmeichelte die Wählerinnen. Jene Amerikaner vor den Fernseh-Bildschirmen, die sich noch kein abschließendes Urteil über ihn gebildet hatten, dürften auch keinen Grund gefunden haben, sich vor einem Präsident Mitt Romney zu fürchten. Dies waren seine Ziele für den Abend - ob er die Amerikaner überzeugen konnte, werden die nächsten Umfragen zeigen.

Es sei ihm "eine große Ehre und eine noch größere Verantwortung", die Nominierung seiner Partei für das Amt des US-Präsidenten anzunehmen, erklärte Romney zu Beginn der Rede. Seinen running mate Paul Ryan lobte er als "Mann mit großem Herz aus einer kleinen Stadt". Der Ex-Gouverneur von Massachusetts gab sich staatsmännisch und vermied persönliche Angriffe auf Amtsinhaber Barack Obama, den er im Wahlkampf regelmäßig in die Nähe des Sozialismus rückt und als Anhänger eines Wohlfahrtstaats europäischer Prägung schimpft.

Diese Aufgabe hatten andere übernommen. Tom Stemberg, Gründer der Bürowarenkette Staples, zweifelte an dessen Glauben und Lokalmatador Jeb Bush, Bruder von Ex-Präsident George W. Bush, zeterte: "Mister President, hören Sie auf, Ihren Vorgänger für Ihre gescheiterte Wirtschaftspolitik verantwortlich zu machen."

"Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren?"

Schon nach wenigen Minuten umschmeichelte Romney die enttäuschten Obama-Fans: Es sei typisch für die Amerikaner, an eine bessere Zukunft zu glauben, weshalb die Versprechen von Hoffnung und Wandel 2008 so verführerisch waren. Doch viele Amerikaner müssten am 6. November eine Frage beantworten: "Seid ihr immer noch so begeistert von Barack Obama wie damals, als ihr ihn zum Präsidenten gewählt habt?" Es ist eine von zwei Fragen, über die viele Amerikaner länger nachdenken dürften. Die andere brachte der Republikaner-Kandidat etwas später an: "Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren und glauben Sie, dass es Ihre Kinder besser haben werden?"

Dass Amerika noch immer das großartigste Land der Welt sei, in dem talentierte Menschen alles erreichen könnten, war das Leitmotiv des Abschlussabends in Tampa, der unter dem Motto "We believe in America" stand. Bemerkenswert waren die beiden Reden, die Romneys Auftritt vorangegangen waren: Oscar-Preisträger Clint Eastwood verblüffte als Überraschungsgast vor allem damit, dass er wie ein seniler Mann mit einem leeren Stuhl sprach - diesem stellte er all die Fragen, auf die er von Präsident Obama Antworten erhoffte.

Marco Rubio, kubanischstämmiger Senator aus Florida, zeigte in seiner bissigen Rede ("Wir haben kein Problem mit Obama, weil er ein schlechter Mensch ist. Das ist er nicht. Wir haben ein Problem mit ihm, weil er ein schlechter Präsident ist"), weshalb viele in ihm den ersten möglichen Latino-Präsidenten Amerikas sehen. Zuvor hatten die Choreographen des Parteitags in drei Stunden versucht, ihren Kandidaten in all den Punkten ins rechte Licht zu rücken, die das Obama-Lager zuletzt erbarmungslos attackiert hatte.