Ostafrika: Appell der UN Eine halbe Million Kinder von Hungertod bedroht

Viele Menschen sind bereits zu krank und schwach, um zu fliehen: Die verheerende Dürre am Horn von Afrika könnte nach Angaben der Vereinten Nationen 500.000 Kindern in der Region das Leben kosten. Zwei Millionen Kinder brauchen sofort Nahrung.

Dramatischer Appell an die Weltgemeinschaft: Eine halbe Million Kinder sind nach Angaben der Vereinten Nationen wegen der Dürrekatastrophe am Horn von Afrika akut vom Hungertod bedroht. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef forderte deshalb eine sofortige Ausweitung der Hilfsleistungen in der Region. Insgesamt zwei Millionen Kinder bräuchten Nahrung.

Viele Menschen seien bereits zu krank oder zu schwach, um sich in andere Gebiete zu retten, sagte der geschäftsführende Unicef-Direktor Anthony Lake, der am Wochenende Kenia besucht hatte. Das UN-Flüchtlingshilfswerk werde mehrere zehntausend Zelte nach Äthiopien und Kenia einfliegen, kündigte ein UN-Sprecher an.

Schätzungsweise 430.000 Somalier sind wegen der Dürre und des bewaffneten Konflikts in ihrer Heimat in die Nachbarländer geflohen. In Somalia sind nach Angaben der UN drei Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen. In Äthiopien brauchen demnach 4,5 Millionen Menschen Hilfe, in Kenia 3,5 Millionen Menschen, in Dschibuti 120.000 Menschen.

Angesichts der Hungersnot berief die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) für kommenden Montag ein Krisentreffen in Rom ein. "Die Hungersnot ist ebenso verheerend wie die Katastrophen, die wir vergangenes Jahr in Haiti und Pakistan erlebt haben, sie betrifft sogar mehr Menschen", erklärte Josette Sheeran, Chefin des UN-Welternährungsprogramms.

Die Europäische Union kündigte an, ihre Nothilfe für die Region deutlich aufzustocken. Vorvergangene Woche hatte die Kommission ihre Hilfe für das Horn von Afrika für 2011 um 5,7 Millionen Euro auf rund 70 Millionen Euro erhöht.

Zur Bitte der islamistischen al-Shabaab-Miliz in Somalia um internationale Hilfe von Anfang Juli äußerte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiev gemischte Gefühle: Dies sei "ein Zeichen von Verzweiflung und von Hoffnung" für die Hungernden, sagte die EU-Kommissarin. Die Miliz hatte jahrelang in den von ihr kontrollierten Gebieten ausländischen Helfern die Arbeit verboten, unter dem Eindruck der Hungerkatastrophe ihre Haltung jedoch geändert.

Hilfsorganisationen haben zu Spenden aufgerufen - hier finden Sie NGOs, die sich in Ostafrika engagieren.

"Viele sind schon zu schwach, um sich zu retten"

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