Online-Referendum im Veneto Ende der Solidarität

Venetiens Präsident Luca Zaia will mehr Handlungsspielraum für seine Region. (Archivbild von 2009)

(Foto: AFP)

Die Bürger Venetiens werden in einer Online-Abstimmung gefragt, ob ihre Region unabhängig werden soll. Die Sezessions-Befürworter von der Lega Nord rechnen vor, dass das bisherige "Geberland" so jährlich 20 Milliarden Euro einsparen könnte.

Das Referendum über einen Anschluss der Krim an Russland beschäftigt die Welt seit Wochen. Während sich Diplomaten und Analysten fragen, wie Russlands Präsident Wladimir Putin, der Westen und die Übergangsregierung in Kiew auf das "Ja" der Krim-Bewohner reagieren, strebt auch eine andere Region eine Volksbefragung über ihre Unabhängigkeit an - mitten in der EU.

Die Region Venetien, in der die berühmte Lagunenstadt Venedig liegt, stimmt derzeit online über eine Abspaltung von Italien ab. Luca Zaia, der Präsident von Venetien, sagte der Zeitung Il Quotidiano, die italienische Verfassung könnte eine Abspaltung nicht verhindern, das Völkerrecht sehe "das Recht zur Selbstbestimmung" vor. Allerdings ist die bis Freitag andauernde Abstimmung rechtlich nicht bindend.

Organisiert hatte die Online-Abstimmung eine parteiübergreifende Bewegung namens Plebiscito.eu, die sich für einen eigenen venezianischen Staat einsetzt - in Anlehnung an die Republik Venedig, die bis zum Verlust ihrer Unabhängigkeit 1797 ein Zentrum für Kultur, Architektur und Handel war. Wer möchte, kann auch in Wahlbüros abstimmen.

Venetien gehört zu den reichsten Regionen Italiens, neben Venedig liegen hier Verona, Padua und Treviso. Berechnungen der rechten Partei Lega Nord zufolge kann Venedig durch eine Unabhängigkeit pro Jahr mindestens 20 Milliarden Euro sparen, berichtet die Daily Mail. Präsident Luca Zaia gehört der Lega Nord an und schimpft öffentlich gern über den armen und wirtschaftlich desolaten Süden Italiens.

Immer mehr Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa

Jüngste Meinungsumfragen zeigen, dass zwei Drittel der vier Millionen Wahlberechtigten eine Abtrennung von Rom befürworten würden, wie die BBC berichtet.

Bislang wurde in den italienischen Medien wenig darüber berichtet, doch die Veranstalter rechnen nach eigenen Angaben mit zwei Millionen Teilnehmern. Zaia, der Präsident Venetiens, sagt, dass viele Norditaliener für die Unabhängigkeit seien, da "sie sich zunehmend durch die Krise stranguliert sehen und niedrigere Steuern wünschen".

In einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RAI wirft Zaia dem neuen italienischen Premierminister Matteo Renzi vor, ein "Neozentralist" zu sein, der dem Ideal eines fordistischen Entwicklungsmodells anhänge und nicht an die Regionen glaube. Er hoffe, dass Europa das venetische Unabhängigkeitsstreben als kulturelle Bewegung nach dem Vorbild Kataloniens oder Schottlands betrachte.