Obama befürwortet Homo-Ehe Riskantes Bekenntnis von historischer Größe

Als erster US-Präsident spricht sich Barack Obama für die Homo-Ehe aus. Auch wenn dieser Schritt nicht ganz freiwillig zustande kam, könnte er sich für Obama auszahlen. Neben der Unterstützung wichtiger Wählergruppen sichert er ihm viele Spenden-Dollars. Doch die Konservativen bringen sich bereits in Stellung.

Eine Analyse von Matthias Kolb, Washington

Er hielt keine Rede im Rosengarten oder sprach von seinem Schreibtisch im Oval Office aus zu den Amerikanern. Nein, Barack Obama lud ein Fernsehteam ein, um das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses zu verkünden. "Für mich persönlich ist es wichtig, voranzugehen und zu betonen, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten können sollten", sagte er ABC News.

Obama, der als Kandidat 2008 ein solches Bekenntnis noch abgelehnt hatte, nannte persönliche Begegnungen und Gespräche als Grund für seinen Sinneswandel: Sowohl unter seinen Mitarbeitern als auch im Freundeskreis seiner Töchter habe er gleichgeschlechtliche Paare kennengelernt, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmerten. Bisher hatte er sich nur für eingetragene Partnerschaften von Schwulen und Lesben starkgemacht.

In dem Interview, das in voller Länge am Donnerstag in der Sendung Good Morning America ausgestrahlt wird, verwies der US-Präsident auf schwule und lesbische Soldaten, die auf seinen Befehl hin ihr Leben riskierten und denen fundamentale Rechte verwehrt blieben. Vor eineinhalb Jahren hatte der Senat die "Don't ask, don't tell"-Regel abgeschafft und es so bekennenden Homosexuellen ermöglicht, im US-Militär zu dienen.

Romney lehnt juristische Gleichstellung weiter ab

Sechs Monate vor einer aller Wahrscheinlichkeit nach äußerst knappen Präsidentschaftswahl verschärft das "Ja-Wort" des Demokraten Obama den Gegensatz zu seinem voraussichtlichen Herausforderer Mitt Romney weiter. Kurz vor Obamas Interview machte der Republikaner deutlich, dass er eine juristische Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare weiterhin ablehnt. Er unterstütze lediglich "häusliche Partnerschaften", die homosexuellen Paaren etwa das Recht auf Besuchsrechte im Krankenhaus zugestehen.

Romney setzt sich zudem dafür ein, in einem Zusatz der US-Verfassung festzuschreiben, dass die Ehe ein "legaler Bund zwischen Mann und Frau" ist. Bisher ist die Homo-Ehe in sechs Bundesstaaten sowie der Hauptstadt Washington erlaubt. Zudem haben die Parlamente der Bundesstaaten Washington und Maryland eine Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau beschlossen - die Bürger müssen diesem Schritt jedoch noch zustimmen.

Die Bewohner North Carolinas hatten dagegen am Vortag einem wie von Romney vorgeschlagenen Zusatz zur Verfassung zugestimmt und sich damit in die Reihe von 29 US-Bundesstaaten eingereiht, welche die Homo-Ehe gesetzlich untersagen.

Es waren genau jene Wähler in eher konservativen swing states wie North Carolina oder Virginia, die Obamas Strategen im Blick hatten, als sie versuchten, eine Festlegung vor dem Wahltag am 6. November zu vermeiden. Der Präsident "entwickle" noch seine Position zu diesem Thema, hieß die Sprachregelung im Weißen Haus. "Es ist ganz eindeutig, dass er sich am liebsten nicht vor den Wahlen festgelegt hätte", analysiert Bill Galston von der Brookings Institution. Laut Galston, der lange Jahre als Berater für die Demokraten gearbeitet hat, wollte es Obama so lange wie möglich vermeiden, dass dieses Thema in die Schlagzeilen gerät.