NSU-Prozess Zschäpe antwortet nur schriftlich auf Fragen

Mit ihren neuen Anwälten, Grasel und Hermann Borchert, hatte Zschäpe 2015 ihre Schweigestrategie aufgegeben. Sie sagte aus, indem ihre Verteidiger vorbereitete Einlassungen verlasen. Darin gab sie der Anklage in weiten Teilen recht, schob Mundlos und Böhnhardt die Schuld an sämtlichen Verbrechen zu und versuchte, sich selbst als Opfer der Männer darzustellen. Überzeugt hat dies kaum jemanden im Saal. Reinecke stellt an diesem Tag anschaulich und detailliert dar, wie unkonkret, lebensfern und widersprüchlich Zschäpes Aussagen waren.

Er erinnert auch an die von Zschäpe und ihren Verteidigern vorgegebene Prozedur, auch auf Fragen immer nur schriftlich und nach einer langen Bearbeitungszeit zu antworten. Auch die Antworten trug sie weder selbst noch spontan vor. Dadurch habe sie verhindert, dass sich das Gericht einen authentischen Eindruck ihrer Persönlichkeit machen konnte, sagt Reinecke. Er sagt auch: "Aus gutem Grund erfolgt die Befragung des Angeklagten im Strafprozess mündlich. Im Dialog von Frage und Antwort entwickelt sich die Authentizität der Aussage, dabei können auch nonverbale Reaktionen für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit von entscheidender Bedeutung sein."

Zschäpe wählte einen anderen Weg. Aus Reineckes Sicht den falschen. "Es gab aber wohl niemand unter den Verteidigern, der Frau Zschäpe deutlich gemacht hat, dass eine wahrheitsgemäße Erklärung zwar auch zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld führt, aber vielleicht die Haftzeit verkürzen könnte", so Reinecke. Möglicherweise sei es Zschäpe aus heutiger Sicht egal, "ob sie 20, 25, 30 Jahre oder noch länger im Gefängnis sitzt". Doch er prophezeit ihr: "Hat sie einmal 20 Jahre gesessen, wird sie den Unterschied zu 25, 30 oder mehr Jahren erkennen." Es ist ein Appell an Zschäpe, vielleicht doch noch die Wahrheit zu sagen.

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