NRW-Kommunalwahl Alle Macht der Jugend

Sensation bei der Kommunalwahl in NRW: Mit seiner Jugendpartei Peto ist der 27-jährige Daniel Zimmermann Bürgermeister von Monheim geworden. Auf den Erfolg reagiert er wie ein alter Hase.

Von Tanjev Schultz

Am Tag nach der Sensation wirkt Daniel Zimmermann so ruhig und abgeklärt, als sei er schon seit 50 Jahren in der Politik und Ehrenvorsitzender einer Traditionspartei. Dabei ist Daniel Zimmermann erst 27 Jahre alt und seine weithin unbekannte Partei heißt "Peto". In Monheim am Rhein allerdings ist Peto eine Macht. Die Jugendpartei kämpft dort für eine kindgerechte Stadt, für Jugendclubs und bessere Schulen.

Daniel Zimmermann erzielte mit Peto einen Sensationserfolg.

(Foto: Foto: ddp)

"Wir wollen aber keine reine Klientelpolitik machen", sagt Zimmermann staatsmännisch. Und ein kleiner Staatsmann ist er ja nun auch: Die Monheimer wählten den 27-Jährigen am Sonntag zu ihrem neuen Bürgermeister; mit 30,4 Prozent der Stimmen konnte sich Zimmermann gegen den CDU-Kandidaten Tim Brühland (26,8 Prozent) durchsetzen. Zimmermann ist der jüngste Bürgermeister in der Geschichte der Stadt.

Geboren aus politischer Abenteuerlust

Monheim im Kreis Mettmann hat mehr als 40000 Einwohner, die Stadtverwaltung beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter. Daniel Zimmermann ist künftig ihr Chef, und er macht nicht den Eindruck, als würde er sich diese Aufgabe nicht zutrauen. Zimmermann, der Physik und Französisch auf Lehramt studiert hat, ist schon seit zehn Jahren in der Kommunalpolitik aktiv, 1999 gründete er mit ein paar Mitschülern seine eigene Partei.

Was sehr zielstrebig klingt, entsprang zunächst eher politischer Abenteuerlust. "Anfangs war es nur eine fixe Idee", sagt Zimmermann. Er wollte sich einmischen, die Kultur- und Bildungsangebote für Jugendliche verbessern. Peto bedeutet "Ich fordere", der lateinische Name sollte den jungen Politikern Seriosität verleihen. Und auf Anhieb schaffte Peto ("Die junge Alternative") 1999 den Einzug in den Stadtrat.

Als "Kinderpartei" verspottet

Bei der Wahl am Sonntag wurde die Jugendpartei nach der CDU die zweitstärkste Kraft. Peto hat 250 überwiegend junge Mitglieder, neuerdings gibt es eine "AG 30 plus" für die Älteren. In den vergangenen Jahren hat Peto sich um Proberäume für Bands gekümmert, um Kindergärten und Kinoprojekte für Jugendliche. In ihrem Wahlprogramm verspricht die Partei bessere Spielplätze, mehr Geld für Ferienfreizeiten, Mahlzeiten für arme Schüler, einen Jugend-Kultur-Wettbewerb, aber auch Solaranlagen, eine Aufwertung der Altstadt und Hilfen für Existenzgründer.

In das Links-rechts-Schema will sich Peto nicht zwängen lassen, die Offenheit sei eine Stärke, sagt Zimmermann. Er weiß aber auch, dass viele noch Vorbehalte gegen einen so jungen Bürgermeister hegen. Manche haben Peto in der Vergangenheit als "Kinderpartei" verspottet. Nun ist sie an der Macht.