Nigeria Boko-Haram-Chef kündigt "Verkauf" entführter Mädchen an

Drei Wochen nach der Entführung von mehr als 200 nigerianischen Mädchen bekennt sich die Sekte Boko Haram in einem Video zu der Tat. Kurz zuvor hatte die nigerianische First Lady noch eine Entführung bezweifelt und Protestanführerinnen aus dem Dorf der Mädchen festnehmen lassen.

In einem 57 Minuten langen Video bekennt sich die islamistische Sekte Boko Haram zu der Entführung von mehr als 200 Mädchen vor drei Wochen. In dem Video, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, sagt der Anführer der Sekte, Abubakar Shekau: "Ich habe eure Töchter entführt." Zudem kündigt er AFP zufolge den "Verkauf", die "Versklavung" oder "Zwangsverheiratung" der Mädchen an.

Zuvor hatte es bereits Berichte gegeben, wonach einige der Entführten außer Landes gebracht und zwangsverheiratet worden waren. Von den Geiseln konnten bislang 53 Mädchen fliehen, 223 sind nach Angaben der Polizei noch in Gefangenschaft.

Patience Jonathan wirft Aktivistinnen Täuschung vor

Kurz vor dem Bekanntwerden des Videos hatte die First Lady Nigerias, Patience Jonathan, angeblich noch behauptet, die Entführung sei nur vorgetäuscht gewesen. Das berichtete die Aktivistin Saratu Angus Ndirpaya, die sich öffentlich für die Freilassung der entführten Mädchen einsetzt. Nach deren Angaben wurde sie gemeinsam mit einer anderen Frau am Sonntagabend festgenommen - nach einem Treffen bei der Ehefrau von Präsident Goodluck Jonathan.

Ndirpaya sagte, dass ihr und Naomi Mutah von Patience Jonathan vorgeworfen worden war, die Verschleppung der Mädchen vorgespiegelt zu haben und selbst zu Boko Haram zu gehören. Außerdem würden die beiden Frauen Patience Jonathan und die Regierung ihres Mannes Goodluck Jonathan verunglimpfen.

Im Anschluss an das Treffen seien die beiden Frauen auf Geheiß der Präsidentengattin zu einer Polizeiwache gebracht worden, so Ndirpaya. Sie sei sofort wieder auf freien Fuß gesetzt worden, Mutah jedoch nicht. Diese hatte vergangene Woche einen Protestmarsch in der Hauptstadt Abuja organisiert, um so für die Freilassung der Mädchen zu kämpfen. Die Demonstranten warfen der Regierung vor, nicht genug zu tun, um die Mitte April entführten Mädchen aufzuspüren.

Saratu Angus Ndirpaya zufolge haben Mutah und sie keine Töchter unter den Entführten, würden aber deren Mütter unterstützen. Beide kommen aus der Gemeinde Chibok, aus der die verschleppten Mädchen stammen.

Gemeindevertreter Pogo Bitrus aus Chibok sagte dem britischen Sender BBC, er habe sich bei der Polizeiwache, in der Mutah angeblich festgehalten wird, nach ihr erkundigt, doch es gab keinerlei schriftlichen Hinweis darauf, dass sie dort sei. Die Polizei wollte sich bislang nicht äußern.

Die Mädchen waren bei einem Überfall auf eine weiterführende Schule entführt worden. Die Angreifer fuhren mit einem Lastwagen vor und zwangen die Schülerinnen, die in einem Haus auf dem Schulgelände untergebracht waren, mit ihnen zu kommen.

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