Niederlage für "Islamischen Staat" Irakische Armee befreit belagertes Amerli

Reste eines zerschossenen Fahrzeugs von IS-Milizen.

(Foto: REUTERS)

Unterstützt von US-Luftangriffen hat die irakische Armee den Belagerungsring um die Stadt Amerli durchbrochen. Doch Nachwuchssorgen hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" nicht: Etwa 400 islamistische Kämpfer aus Deutschland sollen nach Syrien und in den Irak eingereist sein.

  • Die irakische Armee hat den Belagerungsring rund um die Kleinstadt Amerli durchbrochen und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) damit eine seltene Niederlage zugefügt.
  • Unterstützung erhielten die irakischen Truppen dabei auch von der US-Luftwaffe.
  • Im Irak und in Syrien kämpfen inzwischen 400 Islamisten aus Deutschland, darunter offenbar auch 20 ehemalige Bundeswehr-Angehörige.
  • Bei der geplanten Waffenlieferung an die Kurden im Nordirak stößt die Bundesregierung einem Bericht zufolge auf Schwierigkeiten.

Seltene Niederlage für IS

Nach wochenlager Belagerung haben die irakischen Streitkräfte die Kleinstadt Amerli befreit und den Dschihadisten des "Islamischen Staats" (IS) damit eine seltene Niederlage beigebracht. Der irakische General Kassem Atta sagte der Nachrichtenagentur AFP, die radikalsunnitischen Dschihadisten seien aus den Dörfern rings um Amerli verjagt worden. Ein Behördenvertreter und Kämpfer vor Ort bestätigten der AFP seine Angaben. Auch der irakische Jugendminister Jassem Hamad sprach von einer Befreiung Amerlis.

US-Luftwaffe unterstützt irakische Armee

In Amerli leben 20 000 Menschen, die Mehrheit sind Angehörige der turkmenischen Minderheit. Vor mehr als zwei Monaten war die Stadt von den IS-Terroristen belagert worden. Wasser und Nahrungsmittel gingen zur Neige. Im Falle einer Eroberung hätte den Bewohnern wegen ihres schiitischen Glaubens zudem ein Massaker gedroht.

Unterstützung erhielt die irakische Armee durch die US-Luftwaffe: Zur Vorbereitung der Offensive hätten US-Kampfjets die Stellungen der IS nahe Amerli sowie am Mossul-Staudamm angegriffen, teilte das Pentagon mit. Parallel dazu rückten die irakischen Streitkräfte zusammen mit schiitischen und kurdischen Milizen auf Amerli vor. Militärflugzeuge westlicher Staaten brachten tonnenweise Hilfsgüter in die Region. Dem Pentagon zufolge warfen Flugzeuge der USA, Frankreichs, Großbritanniens und Australiens Hilfspakete mit rund 40 000 Litern Trinkwasser und 7000 Mahlzeiten über der Kleinstadt ab.

Deutsche Dschihadisten im Irak und in Syrien

Im Irak und im benachbarten Syrien, wo der IS große Gebiete kontrolliert, verübten nach Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz inzwischen mindestens fünf Dschihadisten aus Deutschland Selbstmordanschläge. Die Zahl der aus Deutschland in die Kampfzonen der beiden Länder ausgereisten Islamisten sei mittlerweile auf mehr als 400 nachweisbare Fälle angestiegen, sagte der Präsident des Geheimdiensts, Hans-Georg Maaßen, im Deutschlandfunk.

Das Hamburger Magazin Der Spiegel berichtete, auch etwa 20 ehemalige Angehörige der Bundeswehr seien in die Krisenregion in Syrien und im Irak gereist, um sich dort dschihadistischen Einheiten anzuschließen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handle es sich um ehemalige Wehrdienstleistende. Sie seien aufgrund ihrer militärischen Vorkenntnisse für Gruppierungen wie IS besonders wertvoll. Viele andere ausgereiste deutsche Dschihadisten hätten diese Fähigkeiten nicht.

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Die Bundesregierung stößt einem Bericht zufolge bei der geplanten Lieferung von Waffen und militärischer Ausrüstung an die Kurden im Nordirak auf Schwierigkeiten. Für eine nach dem Außenwirtschafts- und dem Kriegswaffenkontrollgesetz nötige Genehmigung der Ausfuhr brauche Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine schriftliche Erklärung aus Bagdad, berichtete der Spiegel.

An dieser Stelle ergebe sich jedoch das Problem, dass die neue irakische Regierung ihre Arbeit noch nicht aufgenommen habe. Den Angaben zufolge erbat Gabriel in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) diplomatische Hilfe bei der Lösung des Problems. Nun suche die Bundesregierung nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt nach einer rechtlich einwandfreien Lösung.

IS soll Frauen verschleppen und verkaufen

Aktivisten warfen dem "Islamischen Staat" derweil vor, Dutzende jesidische Frauen aus dem Irak nach Syrien verschleppt und dort als Bräute an Kämpfer verkauft zu haben. Es gebe mindestens 27 dokumentierte Fälle von Frauen, die für rund tausend Dollar (760 Euro) an IS-Kämpfer verkauft worden seien, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Insgesamt seien rund 300 Frauen und Mädchen im Irak entführt und als Kriegsbeute nach Syrien verschleppt worden.

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