Nach Protestaktion in Dresden Nazis verschicken Drohbriefe

Wer zur Blockade des Nazi-Aufmarsches in Dresden aufgerufen hatte, erhielt jetzt einen Drohbrief von den Rechten - unter den Empfängern ist auch ein Abgeordneter.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Tausende Nazigegner haben vor zwei Wochen in Dresden ein Horde von Nazis in Schach gehalten. Mit Sitzblockaden konnten sie verhindern, dass aus dem gesamten Bundesgebiet angereiste Neonazis ihren geplanten Demonstrationszug durch die Stadt antreten. Doch wer sich gegen Nazis stellt, muss offenbar damit rechnen, später von ihnen verfolgt zu werden.

Unterzeichner des Aufrufs "Dresden Nazifrei" jedenfalls hatten jetzt unerwünschte Post im Briefkasten. Oben links auf dem Brief steht auf drei Zeilen verteilt "Kommando 13. Feb". Das Wort Kommando bricht nach "Komm" in die nächste Zeile um. Es weist auf den 13. Februar vor zwei Wochen hin. An dem Tag hatten Nazigegner einen Aufmarsch von Rechtsradikalen in Dresden verhindert.

Die eigentliche Drohung steht in fetten Lettern wenige Zentimeter darunter: "... dein leben, interessiert uns brennend..." Die Fehler in Orthographie und Interpunktion entsprechen dem Originaltext. Den Briefen war jeweils ein langes Kaminstreichholz beigefügt.

Die Empfänger des Drohbriefes haben allesamt den Aufruf "Dresden Nazifrei" unterzeichnet, der helfen sollte, den Naziaufmarsch am 13. Februar in Dresden zu verhindern. Mit Sitzblockaden hatten es die Demonstranten geschafft, den angereisten Rechten in Dresden keinen Raum für ihren angekündigten Umzug zu geben. Der Umstand ist den Rechten offenbar sauer aufgestoßen.

Bislang haben den Brief nur Unterzeichner aus dem Raum Berlin erhalten. Adressaten waren auch drei Geschäftsstellen der Partei Die Linke in Berlin. Ein Brief ging namentlich an den Linken-Bundestagsabgeordneten und einstigen Chef der Berliner Landespartei, Stefan Liebich. Die Partei erstattete Anzeige gegen unbekannt.

Liebich sagte zu sueddeutsche.de, er werde den Vorgang "nicht auf die leichte Schulter nehmen". Da der Brief auch an Privatadressen von Unterzeichnern gegangen sei, müsse ein "gewisses Maß an Boshaftigkeit" bei den Absendern unterstellt werden. Er hoffe, es bleibe bei diesem einen Schreiben, das "uns Angst einjagen soll". Er habe jedoch nicht vor, sich davon beeindrucken zu lassen.

Von Experten wird der Brief als Einschüchterungsversuch und als Hinweis auf die zunehmende Radikalisierung der rechten Szene gewertet.