Nach Petraeus' Sex-Affäre Neuanfang für die CIA

Die USA verlieren mit dem ehemaligen CIA-Chef Petraeus einen brillianten Strategen und gewieften Taktiker. Doch die Obama-Regierung traute dem Offizier nie ganz über den Weg. Der Personalwechsel ermöglicht Obama einen politischen Neuanfang - mit weitreichenden außenpolitischen Folgen.

Ein Kommentar von Christian Wernicke

Barack Obama, so heißt es aus dem Weißen Haus, sei "enttäuscht". Der Präsident "bedauere", wie schmählich David Petraeus, der CIA-Chef, infolge des Sex-Skandals seinen Schlapphut hat nehmen müssen. Die Weltmacht verliert einen brillanten Strategen und gewieften Taktiker. Washington steht unter Schock ob dessen persönlicher Dämlichkeit. Nur, zur ganzen Wahrheit gehört ebenso, dass die Obama-Regierung diesem Offizier nie ganz über den Weg traute.

Petraeus hatte seine steile Karriere vor allem George W. Bush und dessen Krieg im Irak zu verdanken; und über Petraeus zweite Front - den US-Einsatz in Afghanistan - gab es Zerwürfnisse zwischen Präsident und General. Dessen Berufung zum CIA-Chef hatte auch dem Zweck gedient, eine befürchtete Kandidatur des Nationalhelden auf dem republikanischen Präsidentschafts-Ticket zu verhindern.

Obama muss sich nun einen neuen CIA-Chef suchen. Er sollte den Personalwechsel nutzen, auch einen politischen Neuanfang zu wagen: Die CIA ist (neben dem Pentagon) verantwortlich für Amerikas Drohnenkrieg, und sie führt ihn in den Augen der Welt nach Gutdünken. Die USA können und sollten auf diese Waffe nicht verzichten. Aber Obama und Petraeus' Nachfolger sollten endlich klarer sagen, nach welchen Regeln und Gesetzen sie bomben. Der Eindruck reiner Selbstherrlichkeit schürt den nächsten Skandal.