Nach Absturz von US-Drohne in Iran Ein kalter Krieg, der heiß werden könnte

Warum eine US-Drohne über Iran abgestürzt ist, wird vielleicht nie geklärt. Wahrscheinlich ist, dass das Fluggerät spionieren sollte, ob Teheran heimlich an Atomwaffen baut. Das ist völkerrechtlich nicht verboten. Doch solche Aktionen gehören zu einem zähen Schattenkrieg zwischen Iran und dem Westen, der leicht eskalieren könnte.

Ein Kommentar von Paul-Anton Krüger

Vieles an dem Absturz einer US-Drohne in Iran ist noch mysteriös: Wo genau ist das unbemannte Flugzeug niedergegangen? Warum fiel die Maschine vom Himmel? Und auf welcher Mission befand sich der Hightech-Späher? Während die richtigen Antworten auf diese Fragen womöglich nie bekannt werden, lässt sich zumindest Grundsätzliches zu dem Vorfall sagen: Zum einen ist Spionage völkerrechtlich nicht verboten. Zum anderen verstößt eine Verletzung des iranischen Luftraums durch Drohnen gegen internationales Recht - das Land darf solche Eindringlinge allemal abschießen.

Es ist denkbar, dass die Drohne tatsächlich nur entlang der mehr als 1000 Kilometer langen Grenze zwischen Afghanistan und Iran Informationen sammeln sollte. Es ist auch nicht auszuschließen, dass sie unabsichtlich über der Islamischen Republik flog, weil der Kontakt zur Bodenstation abriss. Wahrscheinlicher ist freilich, dass sie in Iran Anlagen ausspähen sollte, von denen die Geheimdienste vermuten, dass sie im Zusammenhang mit dem Atomprogramm stehen.

Lange schon hegen die USA und Israel, aber auch europäische Staaten den Verdacht, dass es in Iran nicht deklarierte Nuklearanlagen gibt, die das Regime vor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versteckt. An öffentlich zugänglichen Belegen oder belastbaren Indizien dafür mangelt es bisher. Die Enttarnung der Anreicherungsanlage in Fordo bei Ghom vor zwei Jahren aber hat den Verdacht erhärtet. Iran hatte sie im Geheimen errichtet und erst dann an die IAEA gemeldet, als klar war, dass das Projekt aufgeflogen war. Teheran hat angekündigt, zehn weitere Anlagen dieser Art zu bauen. Die IAEA wartet bis heute vergebens darauf, über die geplanten Standorte informiert zu werden.

Spionageflüge als Teil eines Schattenkrieges

Das Ziel solcher Spionageflüge ist, zu verhindern, dass Iran ein klandestines Parallelprogramm zur Produktion von Atomwaffen aufbaut, während es seine bekannten Anlagen von der IAEA überwachen lässt. Solche Flüge sind aber auch Teil eines Schattenkrieges, der schon seit Jahren in Gang ist. Anschläge auf Mitarbeiter des Atomprogramms zählen wahrscheinlich ebenso dazu wie Cyberattacken auf die Urananreicherung. Es kommt zu schweren Explosionen, für die es keine plausiblen Erklärungen gibt. Zuletzt angeblich in der Nähe des Nuklearzentrums in Isfahan oder - auf Satellitenbildern gut erkennbar - bei einem Stützpunkt der Raketentruppe nahe Teheran. Dabei starb General Hassan Moghaddam, der Chef des Raketenprogramms. Beweise für eine Verwicklung Israels, der USA oder anderer westlicher Staaten gibt es nicht, aber Iran liegt wohl auch nicht immer falsch mit seinen Schuldzuweisungen.

Teheran führt seinerseits Kommandoaktionen in Irak und in Afghanistan aus, unterstützt dort islamistische Kämpfer, ebenso wie die radikale Hisbollah in Libanon und die Hamas im Gaza-Streifen. Erst jüngst schlugen Raketen aus Libanon in Israel ein. Zwar rühmte sich eine Gruppe mit Verbindungen zu al-Qaida der Salve, doch ohne Duldung der Hisbollah könnte diese kaum in Südlibanon operieren. Golfstaaten werfen Iran vor, ihre Schiiten-Gemeinden zum Aufstand anzustacheln - was übertrieben sein dürfte. Ein Stellvertreterkrieg spielt sich auch in Syrien ab, wo Iran mit allen Mitteln versucht, seinen Verbündeten Baschar al-Assad an der Macht zu halten, während arabische Staaten immer offener die Rebellion unterstützen - auch mit Waffen.

Die Grenzen des Rechts haben in diesem neuen kalten Krieg in Nahost alle Seiten schon überschritten. Die Folgen mögen weniger schwerwiegend sein, als die einer offenen militärischen Auseinandersetzung. Schnell aber kann eine unüberlegte Reaktion auf eine übermäßige Provokation eine Eskalation auslösen, die zu einem heißen Krieg führt, den (noch) niemand will - weil die Folgen für alle Beteiligten katastrophal wären.