Michael Bloomberg "Ich erkenne einen Betrüger, wenn ich ihn sehe"

  • New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg wirbt auf dem Parteitag der Demokraten für Hillary Clinton.
  • "Ich verstehe den Reiz, einen Geschäftsmann als Präsidenten zu haben, aber Trumps Plan wäre ein Desaster mit Ansage."
  • Der parteilose Politiker zweifelt ans Trumps Geschäftserfolg - und dessen geistiger Gesundheit.
Von Johannes Kuhn

Michael Bloomberg steht zwar in Philadelphia auf der Bühne, doch seine Rede richtet sich nicht an die Demokraten in der Halle: Die Botschaft des ehemaligen republikanischen New Yorker Bürgermeisters (2002-2013) ist für das Fernsehpublikum gedacht.

Genauer: Für all jene, die wie Bloomberg keiner der beiden Parteien angehören und noch zweifeln, wen sie wählen sollen. "Ich kenne das Dilemma", sagt der 74-Jährige. "Ich weiß, wie es ist, wenn keine der Parteien meine Ansichten oder Werte vollständig vertritt."

Der Unternehmer und Schusswaffen-Gegner trat im Bürgermeister-Wahlkampf schon als Demokrat und als Republikaner an, immer wieder liebäugelte er auch damit, als unabhängiger Kandidat ins Präsidentschaftsrennen einzusteigen. "Ich habe manchmal Meinungsverschiedenheiten mit Hillary Clinton", sagt er über die Kandidatin, "aber wie groß sie auch sind, ich bin hierhergekommen, um zu sagen: Wir müssen sie für das Wohl unseres Landes beiseiteschieben und uns hinter der Kandidatin versammeln, die einen gefährlichen Demagogen besiegen kann."

Dieser Demagoge ist natürlich Donald Trump und Bloombergs Rolle ist auch die, den Republikaner zu demontieren. Immerhin verbindet die beiden die Eigenschaft, steinreiche New Yorker Unternehmer zu sein. "Aber ich habe nicht mit einem Millionen-Scheck meines Vaters angefangen."

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Clinton kennt die Realität, Trump nur Reality-TV

"Ich verstehe den Reiz, einen Geschäftsmann als Präsidenten zu haben", legt Bloomberg los, "aber Trumps Plan wäre ein Desaster mit Ansage." Gute Unternehmer würden erkennen, dass sie nur so gut sind, wie ihre Geschäftspartner, Mitarbeiter und Klienten sie sehen. Dass sie nicht jede Entscheidung alleine treffen könnten. Dass sie nur so viel wert seien wie das Wort, das sie geben.

Trump habe als Unternehmer dagegen verbrannte Erde hinterlassen und sei mehrmals bankrott gewesen. "Er sagt, er will diese Nation wie sein Geschäft führen. Gott steh uns bei!" Trump rede von Handelsbeschränkungen und ließe seine Waren in Schwellenländern fertigen; wettere gegen Einwanderer und würde gleichzeitig Visa für Niedriglohn-Arbeiter für seine Firmen beantragen. Seine Politik sei fatal und Trump vor allem ein Heuchler. Und Bloomberg geht sogar noch weiter: "Ich bin ein New Yorker und ich erkenne einen Betrüger, wenn ich ihn sehe."

Clinton sei nicht perfekt, aber sie verstehe, dass die Welt kein Reality-TV, sondern die Realität sei. Trump dagegen sei "risikoreich, rücksichtslos und radikal". Genau deshalb müssten unabhängige Wähler der Demokratin im November die Stimme geben. "Lasst uns gemeinsam eine geistig gesunde, kompetente Person wählen", schließt er.

Kampf der Milliardäre

Bloomberg ist damit der erste prominente Politiker, der offen Trumps geistigen Zustand in Frage stellt. Und er greift den Republikaner so hart an wie noch kein anderer Redner dieses Parteitags. Eine Antwort Trumps dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Ob Bloombergs Botschaft jedoch alle jene erreicht, für die sie bestimmt ist - all die Amerikaner, die mit beiden Kandidaten ihre Probleme haben -, ist nicht leicht zu prognostizieren. Der konservative Nachrichtensender Fox News zumindest überträgt die außergewöhnliche Rede nicht.

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