Auch hierzulande werden die Medien überwacht. Mit Ungarn ist das deutsche Medienrecht jedoch nicht vergleichbar: Dort könnte künftig ein Pressegesetz gelten, das staatliche Zensur ermöglicht.
Die Details des Mediengesetzes, das 2011 in Ungarn in Kraft treten soll, sind nach wie vor unbekannt. Auch die deutsche Botschaft in Budapest teilte an diesem Mittwoch mit, dass sie den Wortlaut bisher nicht kenne. In der Nacht zu Dienstag, als die rechtskonservative Fidesz-Regierung den Entwurf mit Hilfe ihrer Zweidrittelmehrheit durchs Parlament brachte, gab es dem Vernehmen nach in rund zwei Dutzend Details Änderungen. Diese müssen wohl erst eingearbeitet werden. Ob der vollständige Gesetzestext noch vor Weihnachten publik wird, war zunächst nicht zu erfahren.
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Vielen geht die Verwicklung von Politik und Medien in Deutschland zu weit. Eine Parallele zwischen den medienrechtlichen Bestimmungen in der Bundesrepublik und Ungarn zu ziehen, wäre jedoch unzulässig. (© ddp)
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Fest steht nur, dass ein Kontrollsystem etabliert wird, dessen Befugnisse weit über das hinausragen, was in Demokratien heute Standard ist. Ein von Regierungsmitgliedern besetzter "Medienrat" soll Bußgelder von bis zu 730.000 Euro verhängen dürfen, wenn Medien nicht "ausgewogen" berichten - was auch immer das heißt. Wer über "Fragen der nationalen Sicherheit" berichtet, soll seine Quellen offenlegen. Der Staat soll in Redaktionen ermitteln und auch Einsicht in Dokumente verlangen dürfen.
Deutschland und Ungarn nicht vergleichbar
Das wäre, wenn es so käme, Zensur. Alle Medien sind gleichermaßen betroffen; öffentlich-rechtliche wie private, Rundfunk wie Print, sogar Online-Publikationen.
Zum Vergleich: Auch in Deutschland werden die Medien überwacht, von den öffentlich-rechtlichen Gremien bis zu den Landesmedienanstalten, die private Radio-, TV- und Telemedienanbieter beaufsichtigen. Vor allem bei ARD und ZDF ist der Einfluss der Parteien mitunter klar erkennbar, etwa bei der Abwahl unliebsamer Chefredakteure.
Vielen geht diese Form der politisch-medialen Verwicklung entschieden zu weit. Dennoch wäre es unzulässig, eine Parallele zu Ungarn zu ziehen. Wenn in Deutschland Einfluss genommen wird, dann meist indirekt und nur da, wo Gebühren fließen. In Ungarn aber sind künftig alle Medien direkt betroffen und bedroht.
Wie wird sich nun das neue ungarische Mediengesetz in der Praxis auswirken?
Osteuropa-Experten wie Kai-Olaf Lang von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin äußern sich zurückhaltend. Man müsse wachsam sein, es sei aber "zu früh für Alarmismus". Falls die Regierung in Budapest ihr Gesetz tatsächlich "konsequent und extensiv" anwende, werde sie gleich doppelt Ärger bekommen: Internationale Organisationen würden lautstark protestieren und politischen Druck von außen mobilisieren, und auch die großen westlichen Medienhäuser, die in Ungarn aktiv sind, würden eine derartige Gängelung durch den Staat kaum hinnehmen.
Diskutiert wird das Mediengesetz vielerorts schon seit Tagen. Bodo Hombach etwa, Mitgeschäftsführer der WAZ-Verlagsgruppe und früherer EU-Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa, hat die Chefredakteure seiner ungarischen Medien (darunter fünf Regionalzeitungen und das angesehene Nachrichtenmagazin HVG) für Mitte Januar zu sich in die Konzernzentrale nach Essen bestellt. Vorerst nur zum Reden, wie er sagt. "Nachrichten aus Südosteuropa lasse ich erst an mich herankommen, wenn ich sie selbst recherchiert habe", betont Hombach. "Dass Ungarn zu den Ländern gehört, um die man sich Sorgen machen muss, wäre mir neu."
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In der DDR war eine Publikation aus Ungarn, die "Budapester Rundschau" nur über die entsprechenden Kulturzentren zu beziehen. Im offiziellen Pressevertrieb war sie nicht zu bekommen. Mit Sicherheit deshalb, weil sie so manches veröffentlichte, was den Oberen in der DDR nicht paßte. Ähnlich war es mit Publikationen aus der UdSSR der Perestroika. Die bekam man nur in den Nowosti-Büros.
Und ausgerechnet Ungarn kehrt mit diesem Gesetz in eine Vergangenheit zurück, die vor den 80er Jahren liegt.
Natürlich hinken Vergleiche, aber die Besetzung der Medienräte nach Parteienproporz ist nichts anderes als direkte Einflußnahme auf die Medien.
Die Privaten unterliegen genauso politischen Einflüssen, vielleicht auf Grund ihrer wirtschaftlichen Basis noch mehr als die öffentlich-rechtlichen.
Soweit es Zensur betrifft, existiert sie m.E. im Wesentlichen als Selbstzensur. Andererseits ist eine unbeeinflußte Berichterstattung schon deshalb nicht zu erwarten, weil z.B. Journalisten den Antikommunismus schon mit der Muttermilch aufgesogen haben. Die Berichterstattung über die Linke ist doch ein Musterbeispiel dafür.
wie ARD und ZDF zynischer Weise auch noch Beiträge. Da muss garnichts mehr überwacht werden, denn es wird soundso nur durchgelassen, was den Parteien genehm ist. Kurt Beck, der Pfälzer Sonnenkönig ist einer der Hauptakteure auf diesem Feld und tritt sogar dafür ein, dass Bürger die gute Botschaft empfangen und dafür bezahlen müssen, wenn sie gar keinen Fernseher haben. Soweit treibt es nicht einmal ein Berlusconi. Ein Staatsfernsehen ist nicht mehr zeitgemäß und muss abgeschafft werden.
.... paranoiden Geheimhudelei der siebzehndreissig geheimen Geheimdienste Amerikas mal abgesehen, eine bessere und leichter verständliche Begründung für WikiLeaks, Openleaks und alle kommenden anverwandten Ausplauderplattformen?
Was sie in Ungarn "Mediengesetz" schimpfen ist eine fürchterliche Blutschande für demokratisch gewählte Gesetzgeber.
... sie sprechen ja einige sehr bedenkliche Entwicklungen aber glauben sie selber was sie an dieser Stelle schreiben? Zitat: "Wenn in Deutschland Einfluss genommen wird, dann meist indirekt und nur da, wo Gebühren fließen. In Ungarn aber sind künftig alle Medien direkt betroffen und bedroht."
Sie glauben wirklich dass die Politik nur indirekt Einfluss nimmt und auch nur bei öffentlich rechtlichen Medienanstalten? Entschuldigung aber, glauben sie auch an den Weihnachtsmann?
Ich habe viele Jahre gebraucht, um zu lernen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt.
Eine Unterdrückung anderer Meinungen dient nicht der Wahrheitsfindung, sondern ist eher eine Demonstration der eigenen Ängste. Kritik kann nämlich zur Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit durchaus sehr nützlich sein.
Aber Konservative wollen wohl von Natur aus nicht besser werden, oder?
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