Max-Planck-Institut "Musste das sein? Ist das vom Institut autorisiert"?

Darum also lud das Max-Planck-Institut Finkelstein im Januar für zwei Veranstaltungen nach Halle ein. Allerdings betrieb es dabei eine Informationspolitik, die für Irritationen sorgte. An diesem Punkt setzt die Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion an.

Bei der Kommunikation des MPI über die Finkelstein-Visite gebe es "eine Reihe von Ungereimtheiten und Widersprüchen, die bei den Fragestellern Zweifel an wissenschaftlicher Haltbarkeit, Wahrhaftigkeit und Transparenz aufkommen lassen", heißt es in dem Papier. Unter anderem wird dem MPI vorgeworfen, die ursprünglich öffentliche Einladung zum Finkelstein-Auftritt im Nachhinein als interne Veranstaltung deklariert zu haben.

Besonders heikel ist der Text eines Plakats, mit dem das MPI im Januar für Finkelsteins Workshop geworben hatte. Bei der Ankündigung, die Finkelstein auch zwischenzeitlich auf seiner Homepage präsentiert hatte, wurde in englischer Sprache das Thema detailliert beschrieben.

In dem Plakattext sind Behauptungen enthalten, die nicht der Wahrheit entsprechen: So heißt es etwa, die Bevölkerungsdichte im Gaza-Streifen sei höher als die Tokios. Oder: Die radikalislamische Hamas habe 2014 keine Raketen auf Israel abgeschossen. Oder: Es habe keine für Angriffe gegrabenen Tunnel vom Gazastreifen auf israelisches Territorium gegeben. Das Gegenteil ist das Fall. All das steht unter dem Logo des Max-Planck-Instituts, das großteils von Bund und Ländern finanziert wird.

Solche Behauptungen sorgen auch beim Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft für Aufregung, wie aus der Grünen-Anfrage hervorgeht. "Offen gesagt weiß ich nicht, wie wir mit diesem Flyer in einen öffentlichen Disput gehen können", schrieb Martin Stratmann am 23. Januar dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der die Anfrage mit auf den Weg gebracht hatte. Stratmann fügte hinzu: "Musste das sein? Ist das vom Institut autorisiert oder von Herrn Finkelstein lanciert?"

Tatsächlich schrieb Finkelstein den Text selbst über sich in der dritten Person, wie MPI-Direktorin Foblets erklärt. Dabei kam es von MPI-Seite zu einem Fehler: Man müsse einräumen, dass eine "Prüfung" des "Textes unterblieben" sei und so der Eindruck entstehen konnte, das MPI vertrete Finkelsteins Thesen. "Ich möchte betonen, dass wir diese Darstellung nicht teilen", so Foblets. Auch für Finkelstein persönlich gab es entsprechenden Gegenwind: "Im Rahmen des Workshops ist das von den Studenten ganz deutlich kritisiert worden", schreibt die Direktorin. Der Workshop sei allerdings "intensiv und hoch spannend" gewesen.

Die Direktorin, die in ihrer belgischen Heimat bereits vor Jahren Finkelstein zu einer Veranstaltung eingeladen hat, ist von der Kritik überrascht; sie "verwehrt" sich gegen den Versuch, den Auftritt in Halle zu politisieren. "Wenn wir bei unseren Einladungen bestimmte Wissenschaftler aufgrund ihrer politischen oder ideologischen Positionen ausschließen würden, würden wir den Status eines wissenschaftlichen Forschungsinstituts nicht verdienen."

Hält die Regierung Finkelstein für einen ernstzunehmenden Wissenschaftler?

Auch an diesem Punkt setzt allerdings die Grünen-Anfrage an. Die Abgeordneten klopfen bei der Bundesregierung ab, inwiefern es sich bei der Einladung Finkelsteins um einen "wissenschaftlich begründeten oder begründbaren Vorgang" handelte. Aus der Antwort könnte hervorgehen, ob die Bundesregierung Norman Finkelstein für einen ernstzunehmenden Wissenschaftler hält - oder nicht.

Finkelstein selbst behauptet, inzwischen politisch gemäßigt zu sein. "Ich selbst sehe mich (...) nicht mehr als radikal oder kontrovers an", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung während seines Besuchs in Sachsen-Anhalt, "ich bin heute in der Mitte des politischen Spektrums".

Die falschen Angaben, die er dem MPI zum Gaza-Krieg untergejubelt hat, lassen an einer Mäßigung zweifeln.