Liberale in Nordrhein-Westfalen FDP-Frauen begehren gegen den Männerklüngel auf

Feminine Demokratische Partei? Von wegen! Schafft es die FDP wieder in den Landtag von NRW, würden davon wohl viele Männer profitieren - aber nur eine Frau. Die Frauen in der Partei fühlen sich schon lange gegängelt und drohen jetzt öffentlich mit Kampfkandidaturen um die Listenplätze.

Von Thorsten Denkler, Berlin

In Umfragen ging es zuletzt minimal aufwärts. Auf vier Prozent käme die FDP in Nordrhein-Westfalen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Gelingt es dem Spitzenkandidaten Christian Lindner, seine Partei über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven, wären die Liberalen mit neun, vielleicht zehn Abgeordneten im Landtag vertreten. Das ist die Zahl der sicheren Listenplätze.

Nicht ausgeschlossen, dass die NRW-Liberalen eine Punktlandung hinlegen, wie die Grünen im Saarland. Die hatten am vergangenen Sonntag 185 Stimmen mehr als sie brauchten, um im Landtag zu bleiben. Viel knapper ging es nicht.

Umso erstaunlicher, dass die Liberalen in NRW offenbar wenig Wert auf weibliche Landtagsabgeordnete legen. Zumindest haben Frauen in dem erbitterten Rennen um die besten Listenplätze gerade äußerst schlechte Karten.

Frauenanteil 15 Prozent

Am Sonntag wird die Liste auf einer Landeswahlversammlung der FDP in Duisburg endgültig festgeschrieben. Bis dahin wird das Hauen und Stechen noch zunehmen. Es geht für einige um die politische und für manche wohl auch um die wirtschaftliche Existenz.

Schon deshalb ist es eng auf der Liste. Von den bisher 13 Landtagsabgeordneten wollen zehn wohl auf jeden Fall weitermachen. Drei hören auf. Darunter auch Ingrid Pieper-von Heiden. Sie ist die zweite Frau in der bisher schon nicht üppig mit Frauen besetzten Fraktion. Die andere ist Angela Freimuth, stellvertretende Landesvorsitzende der FDP. Sie dürfte nach Stand der Dinge als einzige Frau mit einem sicheren Listenplatz bedacht werden.

Schon die Liste 2010 war Ausdruck des gut funktionierenden Männer-Klüngels in der NRW-FDP. Damals schafften es zwar sechs Frauen auf die 25 Köpfe umfassende Liste. Das entsprach mit 24 Prozent in etwa dem Frauenanteil der Partei insgesamt. Doch von den sechs Frauen war nur eine unter den ersten zehn. Eine weitere hat es in den Landtag geschafft, weil ihr Listenplatz zwölf gerade noch zog. Der Anteil der Frauen in der vergangenen Landtagsfraktion: magere 15 Prozent.

"Das muss sich widerspiegeln auf der Liste"

Nur mit viel Geschick dürfte es gelingen, am Sonntag neben Angela Freimuth noch eine weitere Frau auf einen sicheren Platz auf der Liste zu bekommen, wo sich die Männer nur so drängeln. Generalsekretär Joachim Stamp will ins Parlament und wird dafür wohl auf Platz neun oder zehn kandidieren. Und Christian Lindner, Spitzenkandidat und designierter Landesparteichef, wird standesgemäß den ersten Listenplatz besetzen. Bleiben noch acht Plätze für die zehn übriggeblieben Mitglieder der alten Fraktion.

Die Frauen in der FDP finden das längst nicht mehr lustig. Seit Jahren werden sie bei Listenaufstellungen bundesweit auf die unsicheren hinteren Plätze verdammt. In der Männer-Partei FDP scheint gutes Zureden nicht zu wirken.

Yvonne Gebauer, FDP-Stadträtin in Köln, will in den Landtag. Von der Kölner FDP bekommt sie dafür alle Unterstützung. 2010 landete sie noch auf Listenplatz 17. Der drittbeste Platz für eine Frau. Das hat damals nicht gereicht und würde es wohl auch diesmal nicht. "Wir haben 25 Prozent Frauenanteil in der Partei. Das muss sich widerspiegeln auf der Liste", fordert sie.

"Zur Not wird es eben Kampfkandidaturen geben müssen"

Noch hat sie Hoffnung, dass bis Sonntag noch etwas passiert. Das Thema sei auch an Christian Lindner herangetragen worden. Der habe das jetzt auf dem Schirm. "Zur Not wird es eben Kampfkandidaturen geben müssen", droht Gebauer.

Unterstützung bekommt Gebauer von den Liberalen Frauen in NRW. Deren Landeschefin Petra Müller sagt: "Frauen wählen Frauen. Das ist die Lehre aus der Saarlandwahl. Das sollte sich die FDP ins Stammbuch schreiben."

Nicht nur im Saarland war das so. Hätten in Rheinland-Pfalz vor einem Jahr genauso viele Frauen wie Männer FDP gewählt, die FDP wäre jetzt noch im Landtag vertreten. In Schleswig-Holstein dagegen, wo auch im Mai gewählt wird, ist die Lage anders. In der Fraktion liegt der Frauenanteil jetzt schon bei knapp 35 Prozent.

80 Prozent Neinstimmen

Ein schlechtes Ergebnis bei der Wahl in NRW könnte die Geschlechterdebatte in der Partei wieder anfachen. Die Konkurrenz ist deutlich weiter: Grüne und SPD haben längst eine Quote, auch bei der Union gibt es entsprechende Regelungen.

Bei der FDP wurde ein Antrag zur Frauenquote mit deutlicher Mehrheit abgeschmettert. Auf dem Bundesparteitag im vergangenen Mai im Rostock stimmten 80 Prozent der Mitglieder mit Nein. Der Anteil der männlichen Delegierten auf dem Parteitag: 80 Prozent.

Bisher haben die liberalen Frauen erstaunlich viel Geduld bewiesen, wenn es um ihre Rechte ging. Doch die Wut wächst, wie eine liberale NRW-Politikerin sagt, die auch in den Landtag will: "Irgendwann ist jede Geduld mal am Ende."