Kuba Obama in Kuba - endlich!

Jahrzehntelang lebten Washington und Havanna in einer bizarren Symbiose. Es ist höchste Zeit, dass der US-Präsident sie beendet.

Kommentar von Hubert Wetzel

Seit fast einhundert Jahren hat kein amerikanischer Präsident mehr kubanischen Boden betreten. Emissäre aus Washington durften in diesen Jahrzehnten mit allen möglichen, auch finsteren Regimen Umgang pflegen, US-Staatschefs konnten ihre sowjetischen Kollegen treffen. Doch die kommunistische Insel war verbotenes Terrain, eine Art diplomatische No-go-Area, auf Fidel Castro lag ein Bann. Insofern ist das Adjektiv "historisch" allemal treffend, um den Besuch von US-Präsident Barack Obama in Kuba diese Woche zu beschreiben. Kuba liegt zwar nur ein paar Kilometer vor der Küste Floridas, doch von Washington aus gesehen ist es so unerforscht wie einer jener Landstriche auf antiken Karten, auf die mangels genauerer Kenntnisse die raunende Warnung geschrieben wurde: Hic sunt leones - hier sind die Löwen.

Obama beendet mit seinem Besuch einen Zustand, der in zweifacher Hinsicht absurd war. Denn zum einen war die öffentlich zur Schau getragene Kälte und Härte, mit der die US-Politik Kuba schnitt, nur Fassade. In Wahrheit war Washington von Castro ja geradezu besessen. Tausende Beamte in Ministerien und Geheimdiensten taten jahrzehntelang nichts anderes, als Mittel und Wege zu ersinnen, um die Insel noch schmerzhafter in die Zange zu nehmen. Mit welchem Ziel, war immer weniger erkennbar. Das ist jetzt vorbei.

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Zum anderen lebten die USA und Kuba in einer bizarren Symbiose, die sich mit Obamas Besuch auflöst. Washington konnte seine sture Boykott- und Embargo-Politik gegenüber Kuba, die vor allem die Bevölkerung traf und weniger die roten Funktionäre, nur damit begründen, dass in Havanna eine Riege angeblich gefährlicher Kommunisten regierte. Castro und seine Mannen wiederum rechtfertigten ihr Festklammern an der Macht und die Repression im Lande damit, dass nur sie den Gringos die Stirn bieten könnten. Obamas Staatsbesuch in Kuba entlarvt die Argumente beider Seiten als das, was sie schon seit Jahren waren - Schauermärchen aus einer längst vergangenen dunklen Zeit.

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Obamas Besuch soll zeigen, dass Feindschaft nicht gottgegeben ist

Für Obama erfüllt die Aussöhnung mit Kuba vor allem einen Zweck: Er will zeigen, dass Feindschaft zwischen zwei Staaten weder ein gottgegebener Zustand ist noch einer, der zwangsläufig ewig andauern muss. Wie kein Präsident vor ihm ist Obama bereit, die geltende außenpolitische Orthodoxie infrage zu stellen, weniger aus strategischen oder wirtschaftlichen Gründen - auch wenn in Kuba Geld zu verdienen ist -, sondern aus politischer Überzeugung. Eine Garantie für Erfolg gibt es dabei nicht. Der Gedanke, dass sich Rivalitäten und Feindschaften beenden lassen, wenn alle guten Willens sind, steckte auch in Obamas Angeboten an Russland und Iran zu einem Neubeginn. Mit Moskau hat das nicht besonders gut funktioniert, Präsident Wladimir Putin hat offensichtlich weniger friedliche Vorstellungen von der internationalen Ordnung. Mit Teheran hat Obama einen Anfang gemacht, auch wenn noch offen ist, ob das Atomabkommen eine neue Ära der Zusammenarbeit bedeutet oder den großen Zusammenprall nur um ein paar Jahre hinauszögert.

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Kuba ist vermutlich das Land auf der Liste der amerikanischen Feindstaaten, bei dem die Annäherung am leichtesten gelingen könnte. In keinem anderen Fall sind die Gründe, welche die Beziehungen einst vergifteten, so überholt. Weder der Anti-Amerikanismus, der in Kuba Staatsraison war, noch der Anti-Kommunismus, den Amerika früher wie eine Monstranz vor sich hertrug, haben heute noch die Kraft, um eine Aussöhnung zu stoppen.

Jahrzehntelang wurde den Amerikanern eingeredet, auf einer Insel vor ihrer Südküste hausten fürchterliche Gestalten - leones eben. Obama schaut nun mal nach und wird berichten, dass das nicht stimmt.

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