Krieg in Syrien Assads Premier läuft zur Opposition über

"Ich gebe hiermit bekannt, dass ich mich vom mörderischen und terroristischen Regime abgewandt und mich der Revolution der Freiheit und Würde angeschlossen habe". Assads Premierminister Riyad Hijab hat die Seiten gewechselt und sich nach Jordanien abgesetzt. Die Machtbasis des Regimes in Damaskus erodiert.

Der syrische Ministerpräsident Riyad Hijab ist zur Opposition übergelaufen. Das bestätigte sein früherer Sprecher am Montagvormittag. Aus jordanischen Regierungskreisen verlautete, Hijab habe sich mit seiner Familie nach Jordanien abgesetzt. Hijabs Sprecher bestätigte nur, der Premier sei mit Hilfe der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA) geflohen und befinde sich "an einem sicheren Ort".

"Ich gebe hiermit bekannt, dass ich mich vom mörderischen und terroristischen Regime abgewandt und mich der Revolution der Freiheit und Würde angeschlossen habe", hieß es in einer Erklärung, die Hijabs Sprecher im arabischen Fernsehsender al-Dschasira verlas. Der Politiker habe seine Flucht "seit mehr als zwei Monaten geplant".

Die Nachrichtenagentur dapd berichtet unter Berufung auf Rebellen, neben Hijab hätten sich drei weitere Minister abgesetzt.

Das syrische Staatsfernsehen hatte zunächst gemeldet, Hijab sei entlassen worden. Zum kommissarischen Nachfolger sei Omar Ghalawandschi ernannt worden, einer von vier Stellvertretern Hijabs.

Hijab war erst Anfang Juni zum Regierungschef ernannt worden. Davor hatte der 46-Jährige sein ganzes Leben treu dem Regime von Präsident Baschar al-Assad gedient. Der frühere Landwirtschaftsminister ist Mitglied der Baath-Partei, mit der die Assad-Familie einst an die Macht gekommen war. Er entstammt einer bekannten Familie aus der Provinz Deir as-Saur, wo er 1966 geboren wurde.

Hijab ist der hochrangigste Überläufer des Assad-Regimes. Bereits im März hatte sich Vize-Ölminister Abdo Hussameddin abgesetzt. Syriens Botschafter im Irak, Nawaf Fares, kehrte dem Regime im Juli den Rücken. Zuvor war mit Manaf Tlass ein Mitglied des innersten Führungszirkels ausgeschieden.

Die erbitterten Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen gehen derweil weiter. Im Gebäude des syrischen Staatsfernsehens in Damaskus explodierte am Montag eine Bombe. Die Wirkung sei allerdings gering gewesen. Einige Angestellte hätten leichte Verletzungen erlitten, erklärte Informationsminister Omran al-Subi.

Augenzeugen zufolge explodierte die Bombe im dritten Stock des Gebäudes und richtete erheblichen Sachschaden an. Sie sei von "feigen Terroristen" gelegt worden, die "Syrien destabilisieren wollen", sagte al-Subi.

Das Staatsfernsehen sendete jedoch weiter, berichtet die BBC, die Übertragung der drei Kanäle sei durch die Explosion nicht beeinträchtigt worden.

Kämpfer der Aufständischen hatten in den vergangenen Wochen mehrere Stadtteile von Damaskus übernommen. Nach eigenen Angaben haben Regierungstruppen jedoch die Kontrolle über die Stadt zurückerobert.

In der Metropole Aleppo, bislang das wirtschaftliche Zentrum des Landes, wird derweil weiter erbittert gekämpft. Die Rebellen rechnen in den kommenden Tagen mit einer Großoffensive der Armee. 20.000 Soldaten des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad sollen dort bereits postiert, weitere Verstärkung im Anmarsch sein.

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