Krieg gegen Gaddafi CIA-Agenten unterstützen Rebellen in Libyen

Offiziell greifen die USA nur mit Kampfjets in den Krieg in Libyen ein. Laut einem US-Zeitungsbericht operieren jedoch auch amerikanische und britische Geheimdienstagenten in Libyen. Zudem muss Gaddafi einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Sein Außenminister Kussa ist nach London geflohen.

Der US-Geheimdienst CIA unterstützt bereits seit Wochen mit verdeckten Aktionen die Gegner des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. Die Spione kundschafteten dabei mögliche Ziele für Luftschläge aus und versuchten überdies, Kontakte zu den Aufständischen zu knüpfen, berichtete die New York Times. Dies bestätigten am Donnerstag Regierungskreise in Washington.

Ein Kämpfer der libyschen Rebellen schultert eine Panzerabwehrwaffe: Die Aufständischen bekommen offenbar Hilfe von westlichen Geheimdiensten.

(Foto: AFP)

Während Präsident Barack Obama erklärt habe, dass es keine US-Bodentruppen in Libyen geben werde, "arbeiten kleine Gruppen von CIA-Agenten seit mehreren Wochen in Libyen", schreibt die Zeitung. Sie seien Teil einer "Schattenmacht" westlicher Bürger, von denen die Obama-Regierung hoffe, dass sie Gaddafis Militär schaden könne.

Diskussion um Waffenlieferungen

Bei den CIA-Mitarbeitern handelt es sich der New York Times zufolge um eine unbekannte Zahl von US-Geheimagenten, die entweder bereits in Tripolis arbeiteten oder neu hinzukamen. Nach Angaben britischer Regierungsbeamter arbeiteten zudem "Dutzende" Agenten des Geheimdienstes MI6 und Mitglieder von Spezialkommandos in Libyen, um die britischen Streitkräfte mit Informationen über Ziele für Luftschläge, Stellungen und Bewegungen von Gaddafis Militär zu versorgen.

Dem Eingreifen der internationalen Allianz zum Trotz konnte Gaddafis Armee zuletzt wieder Erfolge verbuchen - sie eroberte den Ölhafen Ras Lanuf und nach Angaben der Aufständischen auch das 60 Kilometer entfernte Brega zurück.

Die Truppen der Rebellen sind den Gaddafi-Getreuen militärisch unterlegen - es mangelt an Waffen und Organisation. Die USA denken deshalb darüber nach, die Aufständischen mit amerikanischen Waffen aufzurüsten. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, teilte der Sprecher des Präsidenten mit: "Weder schließen wir es aus, noch schließen wir es ein", erklärte er. "Wir erörtern und prüfen Optionen für alle Arten von Unterstützung, die wir dem libyschen Volk geben können." Man habe sich dabei direkt mit der Opposition wie auch den internationalen Partnern der USA beraten. Frankreich hatte sich zuletzt für Waffenlieferungen ausgesprochen, Russland ist dagegen.

Gaddafis Außenminister flieht nach London

Auf dem Feld der Diplomatie musste Gaddafi einen Rückschlag hinnehmen: Sein Außenminister Mussa Kussa hat ihm offenbar die Gefolgschaft gekündigt und ist nach London geflohen. Das britische Außenministerium bestätigte den Rücktritt des Ministers.

"Er sagte uns, dass er von seinem Amt zurücktritt", teilte das Außenministerium in London mit, nachdem Kussa mit einem Flugzeug nahe der Hauptstadt eingetroffen war. Der Libyer habe zunächst einen als privat deklarierten Termin in Tunesien wahrgenommen, ehe er "aus freien Stücken" nach Großbritannien gereist sei.

Ein hochrangiger US-Vertreter sprach von einem Signal dafür, dass in Gaddafis Umfeld das Vertrauen in die Stabilität der Führung schwinde. Die libysche Opposition sprach von einem "schweren Schlag" für den Diktator.

Nato übernimmt das Kommando

In der libyschen Hauptstadt waren am Mittwochabend erneut Explosionen zu hören. Kampfflugzeuge hätten Tripolis überflogen, ehe im südöstlichen Vorort Salaheddin Detonationen zu hören waren, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Augenzeugen. Demzufolge galten die Angriffe einem Armeestützpunkt.

Die amtliche libysche Nachrichtenagentur Jana berichtete, dass in der Nacht ein ziviles Ziel von den Angreifern der internationalen Truppen bombardiert worden sei. Den "Preis" für die Bomben der "Kreuzfahrer" müssten die Regierungen Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate zahlen, hieß es bei Jana. Die beiden arabischen Länder gehören der Militärkoalition an.

Seit Donnerstagmorgen stehen die internationalen Luftangriffe vollständig unter dem Kommando der Nato. Die Militärallianz habe den alleinigen Befehl übernommen, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Zu der Operation "Unified Protector" (Vereinigte Schutzmacht) gehören neben den Luftangriffen die Durchsetzung eines Flugverbots über dem nordafrikanischen Land sowie eine Seeblockade im Mittelmeer, mit der Waffenlieferungen verhindert werden sollen.

Der chinesische Präsident Hu Jintao hat die Luftangriffe der internationalen Streitkräfte verurteilt: "Wenn die Militäroperation Unglück über unschuldige Menschen bringt und eine noch größere humanitäre Krise auslöst, steht das im Gegensatz zum ursprünglichen Ziel der UN-Resolution", sagte Hu bei einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Peking. Der chinesische Präsident forderte einen sofortigen Waffenstillstand und zeigte sich besorgt über eine mögliche Teilung Libyens. Die Anwendung von Gewalt könnte eine mögliche Verhandlungslösung erschweren, sagte Hu.