Droht der Union Konkurrenz von rechts? Sogar SPD-Politiker warnen vor einer neuen konservativen Partei. Der Historiker Frank Bösch hält die Sogwirkung von Provokateuren wie Steinbach und Sarrazin jedoch für überschätzt.
Frank Bösch, 40, ist Historiker und Parteienforscher an der Justus-Liebig-Universität Gießen. In seinem Buch Macht und Machtverlust hat er die Geschichte der CDU wissenschaftlich beleuchtet.
Bild vergrößern
Erika Steinbach (vorne) vom Bund der Vertriebenen befeuert den Richtungsstreit in der CDU: Wie konservativ ist die Union noch? Hätte eine neue Rechtspartei Chancen bei den Wählern? (© AFP)
Anzeige
sueddeutsche.de: Herr Bösch, sogar die SPD befürchtet die Gründung einer Partei rechts von der CDU. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, hält die Gefahr für "sehr konkret". Hat er recht?
Frank Bösch: Ich sehe im Moment keine Anzeichen für eine neue erfolgreiche Partei. Es gibt bereits genügend Parteien am rechten Rand, aber es gibt auch gute Gründe dafür, warum sie keinen Erfolg haben. Deshalb halte ich den mittelfristigen bundesweiten Erfolg einer Partei rechts neben der CDU für unwahrscheinlich.
sueddeutsche.de: Der Sozialdemokrat Oppermann beklagt, die CDU biete vielen Wertkonservativen keine politische Heimat mehr. Ähnlich hat sich auch die Vertriebenen-Chefin Erika Steinbach geäußert. Ist für Konservative kein Platz mehr in der Union?
Bösch: Die Frage ist doch, wie man "konservativ" definiert. Damit tun sich selbst die Konservativen ziemlich schwer. Meistens können sie nur vage Andeutungen machen, da "konservativ" eine relationaler Begriff ist. Aus wissenschaftlicher Perspektive kann man schon sagen, dass man nach wie vor Konservativismus in der Gesellschaft ausmachen kann - auch und gerade bei den Mitgliedern der CDU/CSU.
sueddeutsche.de: Was heißt für Sie konservativ?
Bösch: Es gibt vier grundsätzliche Punkte, die den Konservativismus in den vergangenen 200 Jahre ausmachten. Erstens ein eher skeptisches Menschenbild, das von der Fehlbarkeit und Unterschiedlichkeit der Menschen ausgeht und deshalb eine stärkere Kontrolle der Gesellschaft für nötig hält. Zweitens eine fürsorgliche bis patriarchalische Rolle des Staates. Drittens religiöse Werte, die - anders als bei Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen - nicht vom Staat getrennt werden sollen. Und der letzte Punkt: eine stärkere regionale Identität. Konservative sind nicht mit Nationalisten gleichzusetzen, aber sie haben grundsätzlich eine stärkere Wertschätzung ihrer Heimat. Deshalb kommt es oft zu Konflikten über die eigene Geschichte.
sueddeutsche.de: Unter diesen Gesichtspunkten: Ist die CDU unter Angela Merkel nach links gerückt?
Bösch: Die CDU ist unter Merkels Führung sicherlich liberaler geworden. Aber man könnte ihre Kritiker auch fragen, wann die Union ihrer Meinung nach ausgesprochen konservativ war. Als große Partei musste sie immer den Spagat zwischen den unterschiedlichen Flügeln und Interessen versuchen. Zur Zeit von Konrad Adenauer oder Helmut Kohl war die Gesellschaft insgesamt konservativer, der rechte Rand war stärker organisiert. Insofern waren Adenauer und Kohl ebenfalls ausgleichende Figuren.
sueddeutsche.de: Laut Meinungsumfragen verortet sich eine Mehrheit der Deutschen in der politischen Mitte, mit einer Tendenz nach links. Macht Merkel also alles richtig?
Bösch: Dass sich die meisten Deutschen in der Mitte sehen, ist nichts Neues, das konnte man auch Mitte der fünfziger Jahre festhalten. Anders war es Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Damals kam es zu einer starken Polarisierung: Die Leute haben sich stärker links oder rechts orientiert, gleiches galt für die Parteien und die Medien. Das hat stark abgenommen. Heute hat die Mehrheit ein geringeres Bedürfnis, sich am Rand zu positionieren. Auch das spricht dafür, dass eine neue konservative Partei nicht unbedingt Erfolg haben wird.
sueddeutsche.de: Vertriebenen-Lobbyistin Steinbach sieht sich als letzte echte Konservative in der CDU. Muss die Partei auf dem rechten Flügel nachrüsten?
Auf der nächsten Seite: Frank Bösch über Islamkritik als konservatives Merkmal und die Rechtspopulisten in den Nachbarländern.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Streit um Steinbach "Sie sucht nur Krawall" 14.09.2010
- Klausurtagung der CDU Eine Partei auf Sinnsuche 14.09.2010
- Schwarz-Gelb nach Sarrazin Letzte Frist für Angela Merkel 13.09.2010
- Kritik am Parteiprofil CDU fürchtet rechte Konkurrenz 12.09.2010
- Fall Steinbach "Potential für eine neue Partei am rechten Rand" 11.09.2010
- CDU Niedersachsen: Wahlkampf-Affäre Stadtwerke Wulffsburg 20.09.2010
- CDU-General Gröhe über Stuttgart 21 "Ein gefährlicher Weg in die Stimmungsdemokratie" 20.09.2010
Die ist schon seit den 50er Jahren absolut erfolglos.
Aber eine rechtsliberale Anti-Islampartei, die auch eine kritische Position zur Einwanderung einnimmt ( ohne Sarrazins Genetik Quatsch ), die würde spielend leicht über die 5% Hürde kommen.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Immer die selbe Leier ? Ich dachte sie machen noch einmal Urlaub auf Kuba,bevor die reformen dort greifen.
man locker auf einem Wahlplakat unterbringen kann . Zitat :
"Die neue Partei soll nicht nach rückwärts gewandt sein sondern die Richtung für die Zukunft vorgeben, dazu gehört auch , dass Deutschland nicht das Sozialamt der östlichen Welt ist und dass es kein Verbrechen ist, sich zum GG und zur deutschen Heimat zu bekennen.. "
Und für die Millionen der neuen Parteianhänger sollte das Programm nicht weniger schlicht sein . Sonst wird das nix mit der neuen Partei !
Die mögliche Neugründung einer Partei re chts neben der CDU begründet sich schlicht und einfach in der Unfähigkeit der Parteien sich zu unterscheiden.
Wer heute wesentliche Unterschiede zwischen SPD und CDU bennen will muss sich schon ordentlich verbiegen. Die Grünen sind auch so beliebig wie es nur geht um an die Macht zu kommen, di eFDP ist als Klientelpartei auf Jahre hin verbrannt und die Linke nimmt der SPD den Linken Rand ab, weil die den nicht mehr abdeckt.
Es ist die Unfähigkeit der Parteien, ein breites Meinungsfeld für sich zu beanspruchen, die zu Ausgründungen wie GRÜNE, LINKE oder jetzt meinetwegen RECHTE führen. Wer sich nun mal nur in der Mitte tummelt, vergrault den Rest so lange bis der sich woanders artikuliert.
Mutti hat sich in der "großen" Koalition so wohl gefühlt, weil sich da die konturlosen Mitteparteien zusammengetan haben. Eine Partei mit breiterem Meinungsspektrum im eher konservativen Lager ist sie nicht zu führen befähigt. Diejenigen, die das könnten, hat sie aus der Partei weggebissen und nun wundert sich alles, dass es große Teile der potentiellen CDU-Wähler gibt, die sich in dem was die CDU vertritt (Was um alles in der Welt ist das eigentlich?) nicht mehr wiederfinden.
Die Parteien sollten keine Globalisierung oder was weiss ich was anführen, wenn Sie sich Fragen wo ihre Wähler abgekommen sind, sondern sich über Ihre eigene Unfähigkeit unterhalten.
Es ist im übrigen nicht so schwer den Grünen eine ähnlich Pleite wie der FDP nach den nächsten Wahlen zu prognostizieren. Heute sammeln sie die Entäuschten, die sich von SPDCDUFDP abgewand haben ein, um diese dann wieder zu verlieren, weil sie die Hoffnungen nicht erfüllen können. Spätestens dann sind alle Tore offen für eine populistische Rechtspartei wie die SVP in der Schweiz oder die FPÖ in Österreich. Damit sind dann Jahrzehnte mit Mutti an der Spitze von "großen" Koalitionen vorgegeben. Insofern kann sich das Angi entspannt zurücklehnen - mit nur ganz wehnig Durchhaltewillen bleibt sie länger im Kanzleramt als Birne sich das für sich jemals erträumt hat.
Paging