Konflikt mit Kim Jong Un US-Geheimdienst warnt vor Nordkoreas Atomraketen

Militärparade in Pjöngjang: US-Geheimdienste warnen vor nordkoreanischen Atomsprengköpfen.

(Foto: AP)

Eigentlich galten die Nordkorea-Dokumente als geheim: Bei einer Anhörung im US-Kongress hat ein Abgeordneter aus Geheimdienstpapieren zitiert. Die behaupten, Pjöngjang sei in der Lage, seine Raketen mit Atomsprengköpfen zu bestücken. Das Pentagon warnt vor voreiligen Schlüssen, US-Präsident Obama spricht eine deutliche Warnung aus.

Die Defense Intelligence Agency (DIA) hält es für möglich, dass Nordkorea bereits in der Lage ist, seine Raketen mit Atomsprengköpfen auszurüsten. Bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus in Washington zitierte der republikanische Abgeordnete Doug Lamborn aus einem internen Dokument des US-Militärgeheimdiensts, wonach das Regime "derzeit über Nuklearwaffen verfügt, die von ballistischen Raketen getragen werden können". Die Zuverlässigkeit und Funktionsfähigkeit nordkoreanischer Atomraketen wäre demnach allerdings "niedrig".

Pentagon-Sprecher George Little kommentierte, er könne sich nicht zu allen Details des Berichts, der insgesamt geheim sei, äußern. Es sei jedoch nicht korrekt, anzudeuten, dass das nordkoreanische Regime die in der Passage zitierten nuklearen Kapazitäten "vollständig getestet, entwickelt und bewiesen" habe.

Schon vor Tagen hatte Kim Jong Un an der nordkoreanischen Ostküste zwei Mittelstreckenraketen in Stellung gebracht. Diese sollen eine geschätzte Reichweite von bis zu 4000 Kilometern haben und könnten damit Südkorea, Japan und das US-Außengebiet Guam erreichen. CNN berichtete unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten, dass die USA aber nicht davon ausgehen, dass Nordkorea die für Tests vorbereiteten Raketen nuklear bestückt habe.

Obama fordert Ende der kriegerischen Rhetorik

Nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte US-Präsident Barack Obama von Nordkorea ein Ende der kriegerischen Rhetorik. "Es ist wichtig, dass Nordkorea wie jedes andere Land der Welt grundsätzliche Regeln und Normen einhält", sagte Obama am Donnerstag im Weißen Haus.

"Die Vereinigten Staaten werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um ihre Bevölkerung zu schützen und den Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten in der Region nachzukommen", sagte der US-Präsident. Ban zeigte sich "zutiefst besorgt" über das Säbelrasseln auf der Koreanischen Halbinsel. Zugleich lobte der aus Südkorea stammende UN-Generalsekretär die "gemäßigte Antwort" der USA auf die Provokationen aus Pjöngjang.

Kerry hofft auf China

US-Außenminister John Kerry brach zu einem Besuch nach Südkorea auf. Ein Vertreter aus Kerrys Delegation sagte unterwegs, China müsse dazu beitragen, Nordkorea vom Weg der "destabilisierenden" Handlungen abzubringen. Nordkoreas Streben nach dem Besitz von atomwaffenfähigen Raketen sei "der Feind der Stabilität", sagte der US-Vertreter.

Nach einem neuerlichen Atomtest in Februar hatte Nordkorea in den vergangenen Wochen wiederholt Angriffsdrohungen gegen Südkorea und die USA ausgesprochen. Beide Länder bereiten sich auf einen möglichen Raketentest Nordkoreas vor, der am Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung am 15. April stattfinden könnte.

Angriff unwahrscheinlich

Die US-Geheimdienste halten einen nordkoreanischen Angriff derzeit für wenig wahrscheinlich. Die Drohgebärden dienten vielmehr der Festigung der Macht von Staatschef Kim Jong Un im eigenen Land, erklärte Obamas Nationaler Geheimdienstdirektor James Clapper bei der Anhörung im Repräsentantenhaus. Außerdem wolle Kim die Anerkennung Nordkoreas als Atommacht erreichen, womit seine internationale Verhandlungsposition gestärkt würde.

Clapper sagte, dass China nach Einschätzung der US-Geheimdienste zunehmend "frustriert" über Nordkoreas Säbelrasseln erscheine. Das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea hängt wirtschaftlich am Tropf von China. Peking hat damit als einzige ausländische Kraft direkten Einfluss auf Pjöngjang. Einen Machtwechsel im Nachbarland wolle die chinesische Führung aber vermeiden, sagte Clapper. Peking brauche Nordkorea als "Pufferstaat" zum US-Verbündeten Südkorea und fürchte sich vor Instabilität an seinen Grenzen.

So ist Nordkoreas Streitmacht aufgestellt