Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il droht unverhohlen mit neuen Militärschlägen und provoziert damit auch seine eigene Schutzmacht China. In Südkorea mehren sich Spekulationen über die Stunden vor dem Gefecht: War der Angriff "minutiös geplant" und der Diktator vor Ort?

Nach den Gefechten zwischen Nord- und Südkorea hat sich Chinas Regierungschef erstmals zu Wort gemeldet. Wen Jiabao rief beide Parteien zu "äußerster Zurückhaltung" und einem Ende der militärischen Provokationen auf. Sein Land wolle den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel aufrechterhalten und spreche sich gegen "jegliche provozierenden militärischen Aktivitäten" aus, sagte Wen nach Gesprächen mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew.

Nordkorea droht mit weiteren Militärschlägen

(Video: reuters, Foto: AP)

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Ob Wens Äußerungen sich auf Nordkoreas Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong am Dienstag oder auch auf die für das kommende Wochenende angekündigte gemeinsame Militärübung Südkoreas und der USA im Gelben Meer bezogen, ging aus der Mitteilung nicht hervor.

Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking stellte am Donnerstag aber klar, dass China von der Entsendung des amerikanischen Flugzeugträgers und dem für Sonntag angekündigten Manöver wenig hält. "Wir haben die betreffenden Berichte gesehen und drücken unsere Sorge aus", sagte Hong Lei vor Journalisten.

Die beiden koreanischen Staaten sollten möglichst bald Kontakt aufnehmen und Gespräche beginnen, "um zu verhindern, dass ähnliche Zwischenfälle wieder passieren". Auch bezüglich der Ursache des Gefechts hat die Regierung in Peking offenbar keine eindeutige Meinung. Es gebe dazu verschiedene Aussagen, erklärte der Sprecher.

Kurz zuvor hatten die USA China aufgefordert, klar gegen seinen kommunistischen Nachbarn Stellung zu beziehen. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, hatte gesagt, Peking müsse ein deutliches Signal an Pjöngjang senden und deutlich machen, dass es die Verantwortung für die aktuellen Spannungen eindeutig bei Nordkorea sehe.

Diese Forderung löste Wen mit seiner Äußerung freilich nicht ein. Wenig Begeisterung dürfte im Westen auch die Absage des chinesischen Außenministers ausgelöst haben. Yang Jiechi verschob den für Freitag geplanten Besuch in Südkorea wegen "Terminproblemen", erklärte das Außenministerium in Seoul. Beide Seiten bemühten sich um einen neuen Termin. Bei dem seit längerem geplanten Treffen hätte es um die bilateralen Beziehungen und den Neustart der sogenannten Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm gehen sollen.

Säbelrasseln und ein "Paradigmenwechsel"

Südkorea kündigte eine Verstärkung seiner Militärpräsenz auf fünf Inseln entlang der umstrittenen Seegrenze zum Norden an. Das Militär wolle seine "eher passive" Haltung aufgeben und einen "Paradigmenwechsel" herbeiführen, sagte ein Sprecher von Präsident Lee Myung Bak in Seoul, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Es solle insgesamt mehr Geld für die Landesverteidigung ausgeben werden.

Um die militärische Stärke des Südens zu demonstrieren, soll an diesem Sonntag ein viertägiges Manöver der USA und Südkorea vor der Westküste Nordkoreas beginnen. Für das Großmanöver haben die USA den atombetriebenen Flugzeugträger USS George Washington in das Gelbe Meer gesandt.

Während die Regierung in Seoul an diesem Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammenkam, um über die wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen aus dem nordkoreanischen Angriff zu beraten, beschuldigte Pjöngjang den Süden abermals, für den Angriff auf die Insel Yeonpyeong verantwortlich zu sein.

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