Einsame Verkehrsüberwacher und breitschultrige Ordnungshüter: Augsburg ist kreativ beim Geldeintreiben. Und doch geht es ans Tafelsilber.
Bislang traten sie immer zu zweit auf: ganz in Dunkelblau, mit festem Schuhwerk und wasserabweisenden Mänteln - und mit elektronischen Rechengeräten für Falschparker.
Zweierteams ade: Politessen in Augsburg sind jetzt allein unterwegs, für den doppelten Umsatz. Foto: ddp (© Foto: ddp)
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Das für Autofahrer hässliche Geräusch, das diese Geräte im Falle eines Falles erzeugen, wird man in Augsburg nun viel öfter hören: Die Parküberwacherinnen und ihre männlichen Kollegen müssen alleine los - um mehr bei den Pkw-Besitzern abzukassieren.
"Die Politessen laufen alleine, um den doppelten Umsatz zu machen", erklärt Manfred Kempter, der Leiter des städtischen Fachbereichs Verkehrsüberwachung und Ordnungsdienst. Rund 250.000 Euro zusätzlich sollen durch die Solo-Einsätze in die Stadtkassen fließen. Im Moment sind im Stadtgebiet 80 Mitarbeiter unterwegs. Nur in Problemgebieten und nachts dürfen die Knöllchen-Brigadisten weiterhin zu zweit losziehen.
Verwaltung wird verschlankt
Das Loch in der Haushaltskasse ist groß: Rund 80 Millionen Euro fehlen der Stadt Augsburg im Haushaltsjahr 2010. Grund sind - wie bei vielen anderen Kommunen auch - die wegbrechenden Steuereinnahmen, vor allem aus der Gewerbesteuer. 35 Millionen Euro Minus schlagen hier zu Buche, ein Rückgang um 30 Prozent gegenüber 2008, so der Zweite Bürgermeister Hermann Weber. "Wir haben noch die Kraft, mit eigenen Mitteln den Haushalt auszugleichen. Eine Selbstbestimmung ist aber nur weiterhin möglich, wenn wir Verschlanken."
Das bedeuet: Frei werdende Stellen in der Stadtverwaltung werden nicht mehr besetzt. Entlassungen soll es keine geben.
Jugendstilbad soll verkauft werden
Um das Haushaltsloch zu stopfen, geht es in Augsburg auch ans Tafelsilber: Das alte Stadtbad soll verkauft werden. Für das Jugendstilbad zahlt die Stadt jährlich 1,3 Millionen Euro Unterhalt. Der Verkaufserlös soll zweckgebunden den anderen vier städtischen Bädern zukommen. "Wir betreiben lieber nur vier Bäder, die dafür richtig", sagt der Bürgermeister. Diese Sparidee muss allerdings erst noch vom Finanzausschuss und vom Stadtrat abgesegnet werden.
Blitzer ohne Blitzlicht
Die Augsburger bleiben vom Sparzwang der Stadt nicht verschont. Mindestens genauso fleißig wie die Solisten in Dunkelblau sind die städtischen Überwacher des fließenden Verkehrs - jene Spezialisten, die bei Rasern Kasse machen sollen. Sieben Mitarbeiter gibt es im "Messteam". Unauffällig sehen sie aus, und genauso unauffällig postieren sie sich in verkehrsberuhigten Bereichen, zwischen parkenden Autos, mit einer handelsüblichen Videokamera.
Einen Blitz sieht der Autofahrer nicht, das Ergebnis ist aber das Gleiche wie bei der üblichen Verkehrsüberwachung durch das Land: Geldbuße wegen Geschwindigkeitsüberschreitung. "Die Einnahmen stehen der Stadt zu", sagt Ordnungsdienst-Leiter Kempter. Allerdings dürfen die städtischen Mitarbeiter nur vor Schulen, Kindergärten und in Tempo-30-Zonen kassieren. Auf mehrspurigen Straßen haben sie keine Befugnis.
Um doppelte Arbeit zu vermeiden, wird der Dienstplan des "Messteams" der Polizei mitgeteilt. Gut zwei Millionen Euro nimmt die Stadt pro Jahr mit der Park- und Raserüberwachung ein, die neuerlichen Solo-Einsätze der Blauen sind noch nicht mitgerechnet.
Kaugummi wegspucken kostet
Nicht ganz so erfolgreich auf der Erlösseite ist der Ordnungsdienst in Augsburg. Breitschultrige Männer, die an Disco-Türsteher erinnern, sind zu zweit meist im Innenstadtbereich unterwegs: Sie sind befugt, Bürger zu ermahnen und Geldstrafen auszusprechen. Dafür wurden die Mitarbeiter von der Polizei geschult.
Die Einsatztruppe arbeitet sich an einer Liste ab, und manchmal denkt man, Augsburg könnte bald Singapur sein, wo die Polizei massiv gegen kleinste Vergehen vorgeht. In der asiatischen Metropole gibt es sogar Stockschläge.
So weit ist die Fuggerstadt natürlich nicht. Hier kostet Radfahren auf dem Gehweg zehn Euro, bei besonderer Gefährdung schon mal 25 Euro. Wer seine Zigarette oder einen Kaugummi wegschmeißt, löhnt 20 Euro. Fäkalien von Hund oder Mensch kosten 35 Euro.
"Die Einnahmen liegen im niedrigen sechsstelligen Bereich und sind damit bisher weit von einer Kostendeckung entfernt", so Bürgermeister Hermann Weber: "Die Einrichtung hat rein ordnungspolitische Zielsetzungen."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/jja)
Stockender Kita-Ausbau
@Komalainen - Sie kennen die benannten Buslinien nicht wirklich, oder?
Vor nicht all zu langer Zeit wurde ein Antrag der Stadtwerke Augsburg auf den Zukauf von Wasserkraftwerken, den sie aus den eigenen Gewinnen finanziert hätten, abgelehnt. Anstatt dessen wurden die Gewinne abgeführt, und z.b. ein tolles neues Fußballstadion für den Zweitlegisten errichtet. Statt der gewinnbringenden Kraftwerke hat man nun ein kostentreibendes Stadion und Geldsorgen.
Das Schlimme an der ganzen Situation ist leider, dass sie durch die lausige Kommunalpolitik der letzten Jahre mitverschuldet ist. Es ist nicht ausschließlich ein Problem der Wirtschaftskrise. Unternehmen sind in die Peripherie gezogen, da Augsburg entscheidungsunfähig war und ist, der Einzelhandel der Innenstadt wird seit Jahren geschwächt und zudem wurde immer wieder Geld durch unsinnige Maßnahmen verbrannt. Da es ist es wahrlich kein Wunder, wenn das Geld knapp ist.
Augsburg könnte in der Region ein kleines Juwel sein, mit seiner hübschen Altstadt und dem durchaus vorzeigbaren Stadtkern. Dazu muss Augsburg aber mal seinen Münchenkomplex ablegen und die Dinge wirklich anpacken. Dazu gehört eine zukunftsgerechte Gestaltung des Königsplatzes, Schaffung von Raum für den öffentlichen und den Individualverkehr und nicht zuletzt Verlässlichkeit in den Entscheidungen der Stadtverwaltung und Ihrer Behörden. Wenn das gegeben ist, werden sich auch die Finanzen wieder bessern und man muss nicht dem Bürger permanent in den Säckel greifen.
Denn auch das führt bei aller Berechtigung in dem Augenblick wo es übertrieben wird zu einer Abwertung der Lebensqualität einer Stadt.
Als Einwohner einer benachbarten Kleinstadt von Augsburg (...) kenne ich das zu gut.
"Ausgburg ist eine schöne Stadt, wenn nur nicht die Augsburger wären." Dies ist zugegben ein sehr pauschalisierte Aussage und einigen wird damit wohl ungut getan, aber es spiegelt die weitläufige Meinung der "Augsburgkenner" wieder.
Es klafft zwar ein riesiges Haushaltsloch, aber man muss mit aller Gewalt eine neue Straßenbahlinie bauen deren Gestehungskosten im zweistelligen Milionenberieich liegen, wenngleich die bisherige Lösung mit Omnibussen für alle Bürger völlig akzeptabel ist.
Wie gesagt bei dieser Stadt wundert mich so etwas schon lange nicht mehr.
Das mit der Kontrollwut ist die eine Seite der Medaille,- aber beim zu schnell fahren, haben die meisten schon erfahren, kann das teuer werden.
In den anderen erwähnten Belangen gibt es aber noch einige, die nicht wissen, dass man seinen Hund nicht aufs Trottoir kacken lässt oder dass Zigarettenkippen in den Rabatten unschön aussehen
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